Seit 2013 wird der Spielstättenprogrammpreis Rock, Pop, Jazz von der Initiative Musik – der Fördereinrichtung für aktuelle Musik der Bundesregierung – verliehen. In diesem Jahr erhielt er den griffigen Namen APPLAUS (kurz für: Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten)
Der Jazzclub Tonne e.V erhält den Preis bereits zum dritten Mal in Folge in der Kategorie eins (Spielstätten mit mehr als einer Veranstaltung pro Woche). Erneut wird damit das herausragende Live-Musik-Programm des Clubs gewürdigt. Der APPLAUS 2015 ist in der Kategorie eins mit 30.000 Euro dotiert. Er wurde am Montagabend in München von Kulturstaatsministerin Monika Grütters übergeben.
Das Preisgeld wird die Tonne auch in diesem Jahr für die weitere Programmgestaltung einsetzen. Gleichzeitig soll das Geld auch in die technische Ausstattung des Clubs fließen, der gerade in eine neue, größere Spielstätte umgezogen ist und am 17. Oktober die Räume im Gewölbekeller des historischen Kurländer Palais in Dresden Altstadt erstmals öffnet. Der Künstlerische Leiter der Tonne, Steffen Wilde, zum Preisgewinn: „Wir möchten ein großes Publikum für Jazz und seine angrenzenden Genres begeistern. Den Preis jetzt schon zum dritten Mal zu erhalten ist eine wunderbare Auszeichnung für unsere Arbeit."
In der Tonne in Dresden treten jährlich etwa 200 Bands bei mehr als 120 Konzerten auf. Der Jazzclub ist damit einer der wichtigen Spielorte für Musiker, die neue Spielformen entwickeln und die besondere Atmosphäre und Nähe zum Publikum, die der Club bietet, suchen.
Natürlich wird der Preis standesgemäß mit bester Musik und Freibier in der Tonne gefeiert – die Party steigt am 24. Oktober, bei den Konzerten mit Echo Jazz-Preisträger Studnitzky und seinem Quartett und der britischen Band Get The Blessing. Beide treten im Rahmen des "jazz 'n' beats"-Festivals auf, einer Kooperation der Tonne und der Agentur Dynamite Konzerte, die gestern Abend zu den Applaus-Gewinnern in der Kategorie drei zählte. Der gemeinsame Abend bietet von 19 Uhr bis weit nach Mitternacht insgesamt sechs Ensembles an zwei Orten (Tonne im Kurländer Palais und Lab 15, Meschwitzstraße 15 in Dresden). Zwischen den Locations sorgt ein Shuttle-Service für den schnellen Ortswechsel.
(Presseinformation der »Tonne« vom 13. Oktober 2015)
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Dienstag, 13. Oktober 2015
Montag, 27. Juli 2015
Eine Ahnung, wie Dresdner Dixieland tickt …
(Ur-Ramblers vor der Kneipe Elbfrieden, Aufnahme ungefähr 1955. Foto: Archiv Werner)
Klaus Wilk veröffentlichte ein Buch zu den Elb Meadow Ramblers zum 60. Geburtstag der Band
Nahezu jeder durstige Dresdner kennt den auf den Elbwiesen gelegenen »Fährgarten Johannstadt«. Kaum einer jedoch weiß, dass dieser Biergarten auf musikgeschichtlich »heiligem« Boden liegt. Nämlich in den Räumen der einstigen »Volksgaststätte Elbfrieden« (was für ein Name!), der Vorgängereinrichtung des Fährgartens, gründeten enthusiastische Musiker am 13. März 1955 die wohl älteste und international bekannteste Dixieland-Gruppe Dresdens. Im Bandnamen klingt noch heute der Gründungsort an – bei der Gruppe handelte es sich um die, die sich auf den Elbwiesen herumtreiben: die Elb Meadow Ramblers.
Viele weitere Details zu diesem Gründungsgeschehen hat nun Klaus Wilk in seinem Buch »Elb Meadow Ramblers«, Notschriften Verlag Radebeul 2015, veröffentlicht. Der Hardcover-Band des früheren ADN-Journalisten ist jedoch nicht nur den unmittelbaren Gründungsjahren gewidmet; er ist eine umfangreiche, mit vielen Dokumenten, zig Fotos, anschaulichen Plakaten, historischen Zeitungsausschnitten, authentischen Erinnerungen und biografischen Fakten angefüllte Stoffsammlung rund um die Elb Meadow Ramblers. Erschienen ist die faktenreiche Veröffentlichung aus Anlass des 60. Geburtstags des Ensembles 2015.
Dabei zeichnete Wilk den Weg der Band nach, der diverse personelle Umbesetzungen enthält und von vier Stilwechseln (wie der einstige Drummer Samba Werner hervorhob) gekennzeichnet ist. Drei eigenen CDs, viele Aufnahmen auf Samplern sowie Mitschnitte von Auftritten für Funk und Fernsehen dokumentieren sechzig Jahre unermüdliches Dixieland-Musizieren, in denen es zu sage und schreibe etwa 3000 Konzerten bzw. Auftritten kam.
Das Buch beschreibt in sympathischer Weise das Innenleben der Band, es ist ein Erinnerungsbuch für alle, die dabei waren, die sich als Mitglied der Ramblers-Familie fühlen und als Insider gelten können. Analysen von Musikstücken, Interpretationen und Improvisationen oder Vergleiche etwa mit Spielweisen anderer Dixielandbands sollte man nicht erwarten.
Immer wieder erwähnt wird die menschliche und personelle Verbundenheit der Ramblers mit dem Dixielandfestival und mit der Entstehung der damals jungen IG Jazz, deren Einzug in die Kellergewölbe unterm Kurländer Palais und des späteren Jazzclubs Tonne.
Alles in allem hat hier Klaus Wilk mit seinen Helfern eine umfangreiche Stoffsammlung geschaffen, die unverzichtbar für all jene ist, die aus der Innensicht wissen wollen, wie Dixieland-Dresden und diese Band »ticken«. Danke!
Mathias Bäumel
Klaus Wilk: »Elb Meadow Ramblers«, Notschriften Verlag, Radebeul 2015, 176 Seiten, ISBN 978-3-945481-19-6, Preis 14,90 Euro.
Klaus Wilk veröffentlichte ein Buch zu den Elb Meadow Ramblers zum 60. Geburtstag der Band
Nahezu jeder durstige Dresdner kennt den auf den Elbwiesen gelegenen »Fährgarten Johannstadt«. Kaum einer jedoch weiß, dass dieser Biergarten auf musikgeschichtlich »heiligem« Boden liegt. Nämlich in den Räumen der einstigen »Volksgaststätte Elbfrieden« (was für ein Name!), der Vorgängereinrichtung des Fährgartens, gründeten enthusiastische Musiker am 13. März 1955 die wohl älteste und international bekannteste Dixieland-Gruppe Dresdens. Im Bandnamen klingt noch heute der Gründungsort an – bei der Gruppe handelte es sich um die, die sich auf den Elbwiesen herumtreiben: die Elb Meadow Ramblers.
Viele weitere Details zu diesem Gründungsgeschehen hat nun Klaus Wilk in seinem Buch »Elb Meadow Ramblers«, Notschriften Verlag Radebeul 2015, veröffentlicht. Der Hardcover-Band des früheren ADN-Journalisten ist jedoch nicht nur den unmittelbaren Gründungsjahren gewidmet; er ist eine umfangreiche, mit vielen Dokumenten, zig Fotos, anschaulichen Plakaten, historischen Zeitungsausschnitten, authentischen Erinnerungen und biografischen Fakten angefüllte Stoffsammlung rund um die Elb Meadow Ramblers. Erschienen ist die faktenreiche Veröffentlichung aus Anlass des 60. Geburtstags des Ensembles 2015.
Dabei zeichnete Wilk den Weg der Band nach, der diverse personelle Umbesetzungen enthält und von vier Stilwechseln (wie der einstige Drummer Samba Werner hervorhob) gekennzeichnet ist. Drei eigenen CDs, viele Aufnahmen auf Samplern sowie Mitschnitte von Auftritten für Funk und Fernsehen dokumentieren sechzig Jahre unermüdliches Dixieland-Musizieren, in denen es zu sage und schreibe etwa 3000 Konzerten bzw. Auftritten kam.
Das Buch beschreibt in sympathischer Weise das Innenleben der Band, es ist ein Erinnerungsbuch für alle, die dabei waren, die sich als Mitglied der Ramblers-Familie fühlen und als Insider gelten können. Analysen von Musikstücken, Interpretationen und Improvisationen oder Vergleiche etwa mit Spielweisen anderer Dixielandbands sollte man nicht erwarten.
Immer wieder erwähnt wird die menschliche und personelle Verbundenheit der Ramblers mit dem Dixielandfestival und mit der Entstehung der damals jungen IG Jazz, deren Einzug in die Kellergewölbe unterm Kurländer Palais und des späteren Jazzclubs Tonne.
Alles in allem hat hier Klaus Wilk mit seinen Helfern eine umfangreiche Stoffsammlung geschaffen, die unverzichtbar für all jene ist, die aus der Innensicht wissen wollen, wie Dixieland-Dresden und diese Band »ticken«. Danke!
Mathias Bäumel
Klaus Wilk: »Elb Meadow Ramblers«, Notschriften Verlag, Radebeul 2015, 176 Seiten, ISBN 978-3-945481-19-6, Preis 14,90 Euro.
Freitag, 8. November 2013
Wie war das mit Konzerten Charles Gayles in Dresden und Umgebung?
In den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 2./3. November 2013 hat Wolfgang Zimmermann eine Rezension zum Konzert von Charles Gayle am 31. Oktober 2013 in der »Tonne« veröffentlicht. Dort ist die Behauptung enthalten, dass Charles Gayle und Peter Kowald »in den 1960-er Jahren noch in der alten ›Tonne‹ im Kurländer Palais« ein Konzert gegeben hätten. Das jedoch ist falsch.
Der Autor Wolfgang Zimmermann ist diesbezüglich den trügerischen, vermeintlich authentischen Erinnerungen eines in die Jahre gekommenen Mannes aufgesessen. Die IG Jazz innerhalb der Kulturbund-Stadtorganisation von Dresden – der spätere Jazzclub Tonne – wurde am 18. März 1977 gegründet. Allein schon deswegen stimmt diese Behauptung nicht. Am 13. März 1981 weihten die IG-Mitglieder mit einer Menge Musiker die in vielen Aufbaustunden rekonstruierten Kellergewölbe unter der Ruine des Kurländer Palais ein. Erst ab diesem Zeitpunkt fanden in der sogenannten »Tonne« Konzerte statt – nicht früher. Vor dem März 1981 veranstaltete die IG Jazz (später »Tonne« genannt) Konzerte bekanntlich in verschiedenen gemieteten Räumen – in Hörsälen, im Rundkino, in der Spirale.
Das erste Konzert Charles Gayles in Dresden und in der »Tonne« fand am 5. November 1995 statt. Danach konzertierte er nochmals am 3. November 2002 und nun am 31. Oktober 2013 in der »Tonne«.
Woran sich Zimmermann zufolge Charles Gayle zu erinnern glaubt, ist sicher ein für das Publikum überraschender Auftritt zu den Jazztagen in Leipzig im Jahre 1984 – vermutungsweise der erste Auftritt Gayles in Deutschland und Europa überhaupt. Der Bassist Peter Kowald und A. R. Penck hatten Gayle damals in den Straßen von New York entdeckt und zunächst zur Teilnahme am Sound Unity Festival in New York eingeladen (Film von Ebba Jahn »Rising Tones Cross«). Kowald nahm dann Charles Gayle mit nach Europa, wo er als Überraschungsgast in Leipzig die Zuhörer begeisterte.
Insbesondere die spätabendliche Jam Session in der Moritzbastei – aus der Erinnerung Jahrzehnte später von der Anmutung durchaus der »Tonne« ähnlich – gemeinsam mit Peter Kowald und weiteren Spitzenmusikern des westdeutschen und des DDR-Freejazz brachte das Publikum »zum Kochen«. Matthias Creutziger, dem ich diesen Hinweis zu verdanken habe, erwähnte diesen Gayle-Auftritt in einem Artikel in der damaligen Tageszeitung UNION.
Noch vor seinem ersten »Tonne«-Konzert spielte Charles Gayle im Trio mit dem Bassisten Christoph Winckel und dem Drummer Willy Kellers am 3. November 1995 in der Kuppelhalle Tharandt (Dank an Thomas Morgenroth) sowie danach noch am 6. November 1995 in Freiberg im Duo gemeinsam mit dem Bassisten Christoph Winckel.
Auch nach Freiberg kam er später noch einmal wieder: am 21. April 2007 zu den Freiberger Jazztagen (17 Uhr solo-p im dortigen Stadt- und Bergbaumuseum, im Trio mit Hilliard Greene und Klaus Kugel abends im Mittelsächsischen Theater).
Mathias Bäumel
(Foto oben: Jazzclub Tonne / Jürgen Lösel)
Der Autor Wolfgang Zimmermann ist diesbezüglich den trügerischen, vermeintlich authentischen Erinnerungen eines in die Jahre gekommenen Mannes aufgesessen. Die IG Jazz innerhalb der Kulturbund-Stadtorganisation von Dresden – der spätere Jazzclub Tonne – wurde am 18. März 1977 gegründet. Allein schon deswegen stimmt diese Behauptung nicht. Am 13. März 1981 weihten die IG-Mitglieder mit einer Menge Musiker die in vielen Aufbaustunden rekonstruierten Kellergewölbe unter der Ruine des Kurländer Palais ein. Erst ab diesem Zeitpunkt fanden in der sogenannten »Tonne« Konzerte statt – nicht früher. Vor dem März 1981 veranstaltete die IG Jazz (später »Tonne« genannt) Konzerte bekanntlich in verschiedenen gemieteten Räumen – in Hörsälen, im Rundkino, in der Spirale.
Das erste Konzert Charles Gayles in Dresden und in der »Tonne« fand am 5. November 1995 statt. Danach konzertierte er nochmals am 3. November 2002 und nun am 31. Oktober 2013 in der »Tonne«.
Woran sich Zimmermann zufolge Charles Gayle zu erinnern glaubt, ist sicher ein für das Publikum überraschender Auftritt zu den Jazztagen in Leipzig im Jahre 1984 – vermutungsweise der erste Auftritt Gayles in Deutschland und Europa überhaupt. Der Bassist Peter Kowald und A. R. Penck hatten Gayle damals in den Straßen von New York entdeckt und zunächst zur Teilnahme am Sound Unity Festival in New York eingeladen (Film von Ebba Jahn »Rising Tones Cross«). Kowald nahm dann Charles Gayle mit nach Europa, wo er als Überraschungsgast in Leipzig die Zuhörer begeisterte.
Insbesondere die spätabendliche Jam Session in der Moritzbastei – aus der Erinnerung Jahrzehnte später von der Anmutung durchaus der »Tonne« ähnlich – gemeinsam mit Peter Kowald und weiteren Spitzenmusikern des westdeutschen und des DDR-Freejazz brachte das Publikum »zum Kochen«. Matthias Creutziger, dem ich diesen Hinweis zu verdanken habe, erwähnte diesen Gayle-Auftritt in einem Artikel in der damaligen Tageszeitung UNION.
Noch vor seinem ersten »Tonne«-Konzert spielte Charles Gayle im Trio mit dem Bassisten Christoph Winckel und dem Drummer Willy Kellers am 3. November 1995 in der Kuppelhalle Tharandt (Dank an Thomas Morgenroth) sowie danach noch am 6. November 1995 in Freiberg im Duo gemeinsam mit dem Bassisten Christoph Winckel.
Auch nach Freiberg kam er später noch einmal wieder: am 21. April 2007 zu den Freiberger Jazztagen (17 Uhr solo-p im dortigen Stadt- und Bergbaumuseum, im Trio mit Hilliard Greene und Klaus Kugel abends im Mittelsächsischen Theater).
Mathias Bäumel
(Foto oben: Jazzclub Tonne / Jürgen Lösel)
Sonntag, 26. Mai 2013
»Tonne« mit guter Spürnase: »Live Act 2013« Rusconi konzertierte bereits 2007 in Dresden
Der Dresdner Jazzclub Tonne hat es schon vor längerer Zeit gewusst – das Schweizer Trio »Rusconi« ist eine Top-Formation! Bereits vor über sechs Jahren buchte die »Tonne« die drei für ein Konzert am 3. Februar 2007 – heutzutage wird diese Entscheidung hochoffiziell bekräftigt: Am 23. Mai 2013 erhielt Rusconi den renommierten ECHO JAZZ 2013 in der Kategorie LIVE ACT DES JAHRES; nominiert waren auch Wayne Shorter, Enrico Rava und Rudresh Mahanthappa.
Das zeigt wieder einmal: Die »Tonne« hat eine gute Spürnase! Und es verdeutlicht: Wer als Jazzfan regelmäßig die »Tonne« besucht, weiß, wo und wie im internationalen zeitgenössischen Jazz die Musik spielt!
M. B.
Das zeigt wieder einmal: Die »Tonne« hat eine gute Spürnase! Und es verdeutlicht: Wer als Jazzfan regelmäßig die »Tonne« besucht, weiß, wo und wie im internationalen zeitgenössischen Jazz die Musik spielt!
M. B.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Das »Tonne«-Logo und die römisch-christliche Rückeroberung der Iberischen Halbinsel

(Maurisches Ornament – TKLDesign)
Zum Thema der Art und Weise der Einführung des nunmehrigen Logos des Dresdner Jazzclubs Tonne ist mir gestern abend folgende Geschichte erzählt worden:
Die einstige Hauptmoschee in Cordoba – al-Dschāmiʿ al-kabīr / Dschāmiʿ Qurṭuba – aus der Epoche des maurischen Spaniens (erbaut von 784 bis 987) zählte zu den prächtigsten und spirituellsten Gebäuden Europas jener Zeit.
Im Zuge der schrittweisen Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch die römische Christenheit vom 8. bis zum 16. Jahrhundert wurden viele Moscheen zu christlichen Kirchen umgebaut.
Nachdem das faszinierende Gebäude der Dschāmiʿ Qurṭuba bereits 1236 zur christlichen Kirche geweiht wurde, begann im Jahre 1523 der entscheidende Umbau von Cordobas glanzvoller ehemaliger Hauptmoschee zur Kathedrale.
Die Umbauten stießen schnell auf den energischen Widerstand des Stadtrates und der Bevölkerung von Córdoba, konnten aber schließlich doch durchgesetzt werden, da der Habsburger Kaiser Karl V. (Karl I. von Spanien) letztlich den Umbau billigte.
Als Karl V. jedoch das Ergebnis sah, soll er seine Umbau-Genehmigung bereut und gesagt haben: »Ihr habt etwas zerstört, was einmalig war, und habt stattdessen etwas hingesetzt, das man vielfach auch andernorts antreffen kann.«
Leider hat Karl V. nach (kirchen)politischen Überlegungen entschieden, anstatt sich von seinem künstlerisch-fachlichen Urteilsvermögen leiten zu lassen. Die Moschee als Ganzes in ihrer einstigen überwältigenden Pracht war unwiederbringlich verloren.
Mathias Bäumel
Mittwoch, 25. Januar 2012
Dresdner Jazzclub Tonne will sein umstrittenes Logo trotz vieler Kritiken beibehalten
Das derzeitige, umstrittene Logo des Dresdner Jazzclubs Tonne bleibt, wie es ist. Auch an eine Überarbeitung des gesamten Corporate Designs des Klubs ist gegenwärtig nicht gedacht. Allenfalls marginale Veränderungen im Rahmen des jetzigen Designs seien möglich. Das geht aus Antworten der Klubleitung auf Anfragen im Vorfeld eines letztlich für den 9. Januar 2012 geplanten Treffens zwischen Logo-Kritikern und »Tonne«-Vorstand hervor.
Dieses Treffen war Mitte April 2011 im Rahmen einer Veröffentlichung der Logo-Kritiken in Aussicht gestellt worden, jedoch ohne konkrete Terminfixierung.
Obwohl knapp ein dreiviertel Jahr später schließlich für den 9. Januar 2012 anberaumt, fand es dann doch nicht statt. Einige der Eingeladenen meldeten sich gar nicht erst an, weil sie wegen der außergewöhnlich langen Wartezeit bis zum Gesprächstermin resignierten und den Eindruck hatten, der Jazzclub spiele ohnehin bloß auf Zeit, andere sagten kurzfristig ab, als die »Tonne«-Leitung knapp zuvor klarstellte, dass es keineswegs um erste Schritte zur Veränderung des gegenwärtigen umstrittenen Logos gehen soll, erst recht nicht um die erhoffte Rückkehr zum Logo von Jürgen Haufe, sondern lediglich darum, »ins Gespräch zu kommen«.
Gesprächsangebote jedoch hatten Kritiker des neuen Logos schon unmittelbar nach dessen Einführung Anfang November 2010 gemacht und sich persönlich oder per E-Mail mit Kritiken, Argumenten (zum Beispiel die hier) und Fragen an die »Tonne« gewandt, liefen damit jedoch »gegen eine Wand«.
Die Einführung dieses Logos Anfang November 2010 hatte damals eine ungewöhnlich große Zahl von kritischen Einschätzungen, in wenigen Fällen sogar wütende Proteste, in einem Fall sogar einen Klubsaustritt nach sich gezogen.
M. B.
Dieses Treffen war Mitte April 2011 im Rahmen einer Veröffentlichung der Logo-Kritiken in Aussicht gestellt worden, jedoch ohne konkrete Terminfixierung.
Obwohl knapp ein dreiviertel Jahr später schließlich für den 9. Januar 2012 anberaumt, fand es dann doch nicht statt. Einige der Eingeladenen meldeten sich gar nicht erst an, weil sie wegen der außergewöhnlich langen Wartezeit bis zum Gesprächstermin resignierten und den Eindruck hatten, der Jazzclub spiele ohnehin bloß auf Zeit, andere sagten kurzfristig ab, als die »Tonne«-Leitung knapp zuvor klarstellte, dass es keineswegs um erste Schritte zur Veränderung des gegenwärtigen umstrittenen Logos gehen soll, erst recht nicht um die erhoffte Rückkehr zum Logo von Jürgen Haufe, sondern lediglich darum, »ins Gespräch zu kommen«.
Gesprächsangebote jedoch hatten Kritiker des neuen Logos schon unmittelbar nach dessen Einführung Anfang November 2010 gemacht und sich persönlich oder per E-Mail mit Kritiken, Argumenten (zum Beispiel die hier) und Fragen an die »Tonne« gewandt, liefen damit jedoch »gegen eine Wand«.
Die Einführung dieses Logos Anfang November 2010 hatte damals eine ungewöhnlich große Zahl von kritischen Einschätzungen, in wenigen Fällen sogar wütende Proteste, in einem Fall sogar einen Klubsaustritt nach sich gezogen.
M. B.
Freitag, 15. April 2011
Das veränderte Logo des Dresdner Jazzclubs Tonne erzeugte ein vielfältiges Echo
Anfang November 2010 gab sich der Jazzclub Neue Tonne ein anderes Logo, das grafische Elemente der früheren Wort-Bildmarke nutzt.
Anlass dieser Änderung war der zehnte Geburtstag des Dresdner Jazzvereins, der sich zugleich in »Jazzclub Tonne« umbenannte.
Schon in den ersten Tagen der Nutzung des veränderten Logos äußerten sich Besucher von »Tonne«-Konzerten und der »Tonne«-Internetseite mündlich oder per E-Mail kritisch zum veränderten Logo, teils mir gegenüber, teils an den »Tonne«-Vorstand gerichtet. Ich selbst veröffentlichte hier auf Jazz+Sonstiges ebenfalls eine kritische Sicht, die wiederum zu einem Echo unter Dresdens Jazzfreunden führte.
Kritik am veränderten Logo
Nachfolgend veröffentliche ich die mir bekannten und mir im Laufe der Zeit zwischen November 2010 und Januar 2011 per E-Mail zugegangenen Kritiken.
Christian Löser (Löser & Partner Werbeagentur GbR):
»Deine fachlich fundamentierten Argumente gegen das neue Logo kann ich als Grafikdesigner nur bestätigen. Abgesehen von der gestalterischen Fehlleistung ist die Verfahrensweise auch moralisch (rechtlich) verwerflich. Das Urheberrecht erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Insofern könnte der Plagiator zu einer so genannten Unterlassungserklärung aufgefordert werden.«
Jochen Stankowski (Atelier Stankowski – Visuelle Kommunikation):
»Recht haben sie!!!!!!!! Ist ja grausam. ›Verschlimmbessert‹ wird so etwas genannt. ... Aber das Haufezeichen ist sehr gut. «
Frank Ulbrich (Förderer):
»Hier kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen. Was war der Grund, das lebendige und originelle Logo von Jürgen Haufe gegen das sterile, schlecht nachempfundene neue Logo auszutauschen? Für mich ein echter Missgriff. Aber vielleicht lässt sich da noch was ändern?«
Frank Zeiler (Förderer):
»Ich möchte nur mein Befremden über das ›neue‹ Logo ausdrücken, eine völlig nutzlose Aktion bzw. nutzloser Aktionismus, grafisch schwach und vielleicht auch urheberrechtlich nicht korrekt, da man ein geschütztes Logo teilweise verwendet hat, allerdings bös ›verschlimmbessert‹.«
Bert Siegel (art2viz – Kulturmanagement – Onlinemarketing):
»Das ist ja wirklich merkwürdig und marketingmäßig völliger Blödsinn. Wieso macht das die Tonne? Zudem kann das neue Logo dem alten grafisch nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.«
Matthias Creutziger (Musik- und Theaterfotograf):
»Das neue Logo finde ich in keiner Weise gelungen und ist in dieser Form auch kein funktionierendes ›Logo‹. Das ›O‹ als Trompetenöffnung funktioniert so nicht und die Schrift... Naja, was soll das? Auch fehlt der Bogen darüber, der die Tonne symbolisierte. ... Ich jedenfalls würde mich sehr darüber freuen, wenn das alte Logo von einem der wichtigsten Dresdner Grafiker, dem der Club auch sehr viel zu verdanken hat, wieder die Tonne symbolisieren würde.«
Frank Voigt (Künstler):
»Das neue ›Tonne‹-Logo sieht hilflos und dilettantisch aus. Nichts gegen Kinderzeichnungen, aber für ein professionelles Logo sollte man auch einen professionellen Gestalter finden! Zumal das ›alte‹ Zeichen einfach gut ist!«
Manfred Richter (Typograf, Drucker, Geschäftsführer SchumacherGebler):
»Das alte, bisherige Logo von Jürgen Haufe war weder unzeitgemäß noch grafisch unstimmig noch konnte man es nicht mehr sehen. Zwar kann man das Zehnjahresjubiläum des Vereins als Anlass für Veränderungen sehen, aber warum dann ein neues Logo, wenn es schlechter ist als das alte? Kurt Weidemann formulierte treffend:
›In keinem Land werden Symbole, Hymnen, Hoheitszeichen so leichtfertig in Frage gestellt wie bei den Deutschen. Die Darstellung muss sich nicht zwangsläufig ändern, weil sich Strukturen und Technologien geändert haben. Fortschritt, Modernität, Innovation müssen Produkte und Leistungen unter Beweis stellen, nicht ein mit jedem Zeitgeschmack geändertes Zeichen.‹«
Martin Hörenz (Jazzfreund und »Tonne«-Konzertbesucher):
»Liebe Freunde des Jazz, da blieb mir glatt die Spucke weg! Unglaublich unfassbar ist es, dass ihr das Aushängeschild des Jazzclubs, das Logo der Tonne, so verunstaltet habt. Ist denn in Dresden wirklich alles möglich? Ich glaube, nicht nur ich hatte den vom Dresdner Künstler Jürgen Haufe gestalteten Schriftzug so verinnerlicht, dass mir die Veränderung wie ein Schlag ins Gesicht vorkam. Wie war das möglich und wer hat das zu verantworten? ... Der Grafiker Jürgen Haufe, zuletzt Professor an der Dresdner Kunsthochschule, war bis zu seinem Lebensende eng mit dem Jazz und der Dresdner Jazzszene verbunden. In dem von ihm gestalteten Logo steckt seine Energie, seine Seele, sein Herzblut. Unabhängig von der moralischen Frage steht die juristische: ist diese dilettantische ›Verballhornung‹ einfach so, ohne Einbeziehung der Witwe des Künstlers überhaupt statthaft?«
Petra Müller (Professorin Kommunikationsgestaltung an der HTW Dresden und Inhaberin eines international tätigen eigenen Büros):
»Ich sehe das Erscheinungsbild in der Überarbeitung von Tauundtag sehr verändert, sehr unidentisch, sehr schwach in der Aussage, schlicht zu wenig prägnant für das schon eingeprägte Logo. Selbst wenn das Logo von Jürgen Haufe mit dem redundanten Untertitel Jazzclub versehen war, hat es doch etwas vom Bogen des Kellers, von der Bewegtheit der Musik und die Kraft einer Tonne durch die fetten Buchstaben. Auch der Trompete die Öffnung wegzunehmen, zerstört den Signal- und Zeichencharakter der Trompete. Die Typo passt ebenso nicht zusammen, zudem ist sie zu leicht (Jazzclub) und zu kantig (TONNE).«
Darüber hinaus gibt es noch viele mündliche Kritiken am Logo, die jedoch nicht in Schriftform vorliegen.
Analyse der Kritiken
Analysiert man diese Kritiken, lassen sich die Gründe für die Ablehnung des neuen Logos wie folgt zusammenfassen:
Erstens – Kritik unter dem Marketingaspekt:
Gerade weil die »Tonne« die »Tonne« bleiben, also ihr Wesen als innovative Spielstätte des neuen Jazz kontinuierlich beibehalten will, sehen fast alle Kritiker überhaupt keinen marketingbedingten Grund für die Einführung eines neuen Logos, denn ein neues Logo symbolisiert und kommuniziert ja immer eine signifikante Änderung. Die Einführung eines neuen Logos für ein öffentlich bekanntes Unternehmen, das kontinuierlich so wie bisher weiterarbeiten will, schafft Irritationen und erschwert oder zerstört den Prozess der Marken-(Image-)Bildung.
Zweitens – Kritik an der grafischen Qualität:
Alle Kritiker empfinden die grafische Qualität als schlecht. Manche von ihnen begründen ihre Meinung – und zwar auf den Ebenen der Typografie, der Grafik und der Symbolik.
Argumentiert wird nach dem Motto: Wenn schon diese unnötige und marketingmäßig irreführende Einführung eines neuen Logos, dann sollte das neue Logo doch wenigstens grafisch deutlich besser als das vorherige sein. An dieser Stelle entsteht doppelte Enttäuschung: Es wird Geld ausgegeben und Zeit verwendet für etwas Unnötiges, das dann auch noch qualitativ schlecht realisiert wird.
Drittens – Kritik am Vorgehen des »Tonne«-Vorstandes bei der Einführung des neuen Logos:
Die Kritiker halten es für schlechten Stil oder vielleicht sogar für eine mögliche Verletzung des Urheberrechtes, ohne vorherige Nachfrage bei Anne Haufe (der Witwe des Urhebers des bisherigen Logos, Jürgen Haufe) und ohne deren schriftliche Genehmigung signifikante Elemente aus dem Haufe’schen Logo herauszunehmen (die Trompete ist geistiges Eigentum Jürgen Haufes) und in eine andere grafische Umgebung zu transplantieren. Basis dafür ist die Unterscheidung von Urheberrecht und Nutzungsrecht. Letzteres hat für das bisherige Logo die »Tonne«, das Urheberrecht verblieb aber bei Jürgen Haufe bzw. Anne Haufe.
Interpretation
Die relativ große Zahl der Kritiker sollte vor allem als eindrucksvoller Beleg für die Verbundenheit mit der »Tonne« interpretiert werden; wenn irgendein anderer Dresdner Klub sein Logo änderte, würde das wohl kaum jemanden interessieren. Sie zeugt aber auch von der Verbundenheit mit und der Wertschätzung der Arbeit von Jürgen Haufe, dem ersten Ehrenmitglied des alten »Tonne«-Vereins, in dessen Traditionslinie sich der jetzige Verein durch seine Namensänderung ganz betont stellt.
Eine ganze Zeit lang wurden die Kritiken unveröffentlicht gelassen; sie wurden dann Ende Februar 2011 an den »Tonne«-Vorstand übermittelt, verbunden mit dem Angebot, auf Jazz+Sonstiges eine Reaktion auf die Kritiken zu veröffentlichen.
Auffassung des »Tonne-Vorstandes«
Nun nachfolgend also die Auffassung des »Tonne«-Vorstandes zu den Kritiken am veränderten »Tonne«-Logo:
»Es ist für uns nicht überraschend, dass Veränderungen in der Gestaltung des öffentlichen Auftritts der Tonne, sei es die neue Gestaltung des Programmflyers, der Internet-Seite oder eben des Logos, Diskussionen und damit eben auch Kritik auslöst. Wer sich mit seiner Arbeit der Öffentlichkeit stellt, muss damit rechnen. Und wer seit zehn Jahren nicht selten bis an die Grenze der Belastbarkeit an der Erhaltung und Entwicklung der Tonne-Tradition arbeitet, hat gelernt Risiken einzugehen und prinzipiell auch mit eigener Fehlbarkeit zu leben. Wir haben gelernt, immer dann, wenn es uns erforderlich erschien, auf bestimmte Strategien zu beharren oder uns eben auch zu korrigieren. Wir haben aber auch gelernt, dass sich das Leben eines Jazzclubs aus der Binnenperspektive als erheblich komplexer und darum auch fragiler erweist, als es von Außen erscheint, und dass man gut beraten ist, nicht auf jedes Problem aufgeregt zu reagieren.
Was uns also nicht überrascht, ist Kritik. Was uns jedoch überrascht, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit dabei ein über allen Zweifeln erhabener Anspruch auf rechtes Wissen in Sachen Ästhetik, Moral und Recht erhoben wird. Was uns befremdet, ist, mit welcher Kühnheit mitunter auf unsere Motive oder den kollektiven mentalen Zustand des Vorstandes geschlossen wird, und mit welcher Heftigkeit wir von einigen Jazzfreunden angegriffen werden.
Was uns eher wundert, ist, welcher Stellenwert dem Werbeauftritt und den dabei genutzten Medien und Symbolen beigemessen wird, der ja nicht der eigentlicher Inhalt des Tonne-Geschehens ist, sondern auf diesen hinweisen soll. Und dieser Inhalt ist von anerkannt hoher Qualität. Dereinst hoffnungslos herunter gewirtschaftet, spielt die Tonne heute wieder in der nationalen Liga der Jazzclubs. Unsere Anstrengungen sind von daher primär darauf gerichtet, auch weiterhin zu den renommiertesten Clubs Deutschlands zu gehören.
Damit aber soll die Kritik an der Gestaltung des Logos nicht klein geredet werden. Wir werden uns ernsthaft mit jeder sachlichen Kritik auseinandersetzen. Die Würde der Beteiligten verletzende Beschimpfungen sind dabei jedoch alles andere als hilfreich, weil sie in der Regel dazu führen, einen Kommunikationsprozess abzubrechen bzw. gar nicht erst in Gang kommen zu lassen. Sachlich ist eine Kritik, die Argumente vorträgt, die überprüft bzw. diskutiert werden können. In diesem Sinne werden wir nach einer geeigneten Kommunikationsform suchen und gern jene, die in diesem Sinne das Tonne-Leben mitgestalten wollen, zur Diskussion einladen.
Dr. Helmut Gebauer
Vorstandsvorsitzender«
Ausblick
Es darf angenommen werden, dass sich sowohl der »Tonne«-Vorstand, der sich für die Einführung des veränderten Logos engagierte, als auch die Schar der Kritiker sehr mit dem Dresdner Jazz und mit dem Jazzclub Tonne Dresden verbunden fühlen. Deswegen sollten sich beide Gruppierungen nicht jeweils als Gegner sehen. Weiterhin darf wohl davon ausgegangen werden, dass die allermeisten Logo-Disputanten im bisherigen »Tonne«-Logo von Jürgen Haufe sowohl grafisch als auch symbolträchtig eine sehr gute, dem Wesen unserer »Tonne« adäquate Lösung sehen. Und einig dürften sich sicher auch alle darüber sein, dass der Jazzclub Tonne Dresden sein Kerngeschäft, das Veranstalten exzellenter Jazzkonzerte innovativen Charakters, vorbildlich und erfolgreich betreibt; nicht zuletzt wurde die »Tonne« erst kürzlich unter die besten drei Live-Clubs Deutschlands gewählt.
Unterschiedliche Sichtweisen und Erwartungen gibt es lediglich bei der Frage nach dem Stellenwert von Grafikdesign und insbesondere Logo. Für manche zählen diese Aspekte lediglich zum »Werbeauftritt«, der auf das Eigentliche hinweisen soll, für andere sind sie Teil des Eigentlichen, dem weithin Sichtbarmachen hoher eigener künstlerischer Ansprüche sowie dem Anbieten von Alternativen gegen kulturelle Anspruchslosigkeit.
Mathias Bäumel
Anlass dieser Änderung war der zehnte Geburtstag des Dresdner Jazzvereins, der sich zugleich in »Jazzclub Tonne« umbenannte.
Schon in den ersten Tagen der Nutzung des veränderten Logos äußerten sich Besucher von »Tonne«-Konzerten und der »Tonne«-Internetseite mündlich oder per E-Mail kritisch zum veränderten Logo, teils mir gegenüber, teils an den »Tonne«-Vorstand gerichtet. Ich selbst veröffentlichte hier auf Jazz+Sonstiges ebenfalls eine kritische Sicht, die wiederum zu einem Echo unter Dresdens Jazzfreunden führte.
Kritik am veränderten Logo
Nachfolgend veröffentliche ich die mir bekannten und mir im Laufe der Zeit zwischen November 2010 und Januar 2011 per E-Mail zugegangenen Kritiken.
Christian Löser (Löser & Partner Werbeagentur GbR):
»Deine fachlich fundamentierten Argumente gegen das neue Logo kann ich als Grafikdesigner nur bestätigen. Abgesehen von der gestalterischen Fehlleistung ist die Verfahrensweise auch moralisch (rechtlich) verwerflich. Das Urheberrecht erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Insofern könnte der Plagiator zu einer so genannten Unterlassungserklärung aufgefordert werden.«
Jochen Stankowski (Atelier Stankowski – Visuelle Kommunikation):
»Recht haben sie!!!!!!!! Ist ja grausam. ›Verschlimmbessert‹ wird so etwas genannt. ... Aber das Haufezeichen ist sehr gut. «
Frank Ulbrich (Förderer):
»Hier kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen. Was war der Grund, das lebendige und originelle Logo von Jürgen Haufe gegen das sterile, schlecht nachempfundene neue Logo auszutauschen? Für mich ein echter Missgriff. Aber vielleicht lässt sich da noch was ändern?«
Frank Zeiler (Förderer):
»Ich möchte nur mein Befremden über das ›neue‹ Logo ausdrücken, eine völlig nutzlose Aktion bzw. nutzloser Aktionismus, grafisch schwach und vielleicht auch urheberrechtlich nicht korrekt, da man ein geschütztes Logo teilweise verwendet hat, allerdings bös ›verschlimmbessert‹.«
Bert Siegel (art2viz – Kulturmanagement – Onlinemarketing):
»Das ist ja wirklich merkwürdig und marketingmäßig völliger Blödsinn. Wieso macht das die Tonne? Zudem kann das neue Logo dem alten grafisch nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.«
Matthias Creutziger (Musik- und Theaterfotograf):
»Das neue Logo finde ich in keiner Weise gelungen und ist in dieser Form auch kein funktionierendes ›Logo‹. Das ›O‹ als Trompetenöffnung funktioniert so nicht und die Schrift... Naja, was soll das? Auch fehlt der Bogen darüber, der die Tonne symbolisierte. ... Ich jedenfalls würde mich sehr darüber freuen, wenn das alte Logo von einem der wichtigsten Dresdner Grafiker, dem der Club auch sehr viel zu verdanken hat, wieder die Tonne symbolisieren würde.«
Frank Voigt (Künstler):
»Das neue ›Tonne‹-Logo sieht hilflos und dilettantisch aus. Nichts gegen Kinderzeichnungen, aber für ein professionelles Logo sollte man auch einen professionellen Gestalter finden! Zumal das ›alte‹ Zeichen einfach gut ist!«
Manfred Richter (Typograf, Drucker, Geschäftsführer SchumacherGebler):
»Das alte, bisherige Logo von Jürgen Haufe war weder unzeitgemäß noch grafisch unstimmig noch konnte man es nicht mehr sehen. Zwar kann man das Zehnjahresjubiläum des Vereins als Anlass für Veränderungen sehen, aber warum dann ein neues Logo, wenn es schlechter ist als das alte? Kurt Weidemann formulierte treffend:
›In keinem Land werden Symbole, Hymnen, Hoheitszeichen so leichtfertig in Frage gestellt wie bei den Deutschen. Die Darstellung muss sich nicht zwangsläufig ändern, weil sich Strukturen und Technologien geändert haben. Fortschritt, Modernität, Innovation müssen Produkte und Leistungen unter Beweis stellen, nicht ein mit jedem Zeitgeschmack geändertes Zeichen.‹«
Martin Hörenz (Jazzfreund und »Tonne«-Konzertbesucher):
»Liebe Freunde des Jazz, da blieb mir glatt die Spucke weg! Unglaublich unfassbar ist es, dass ihr das Aushängeschild des Jazzclubs, das Logo der Tonne, so verunstaltet habt. Ist denn in Dresden wirklich alles möglich? Ich glaube, nicht nur ich hatte den vom Dresdner Künstler Jürgen Haufe gestalteten Schriftzug so verinnerlicht, dass mir die Veränderung wie ein Schlag ins Gesicht vorkam. Wie war das möglich und wer hat das zu verantworten? ... Der Grafiker Jürgen Haufe, zuletzt Professor an der Dresdner Kunsthochschule, war bis zu seinem Lebensende eng mit dem Jazz und der Dresdner Jazzszene verbunden. In dem von ihm gestalteten Logo steckt seine Energie, seine Seele, sein Herzblut. Unabhängig von der moralischen Frage steht die juristische: ist diese dilettantische ›Verballhornung‹ einfach so, ohne Einbeziehung der Witwe des Künstlers überhaupt statthaft?«
Petra Müller (Professorin Kommunikationsgestaltung an der HTW Dresden und Inhaberin eines international tätigen eigenen Büros):
»Ich sehe das Erscheinungsbild in der Überarbeitung von Tauundtag sehr verändert, sehr unidentisch, sehr schwach in der Aussage, schlicht zu wenig prägnant für das schon eingeprägte Logo. Selbst wenn das Logo von Jürgen Haufe mit dem redundanten Untertitel Jazzclub versehen war, hat es doch etwas vom Bogen des Kellers, von der Bewegtheit der Musik und die Kraft einer Tonne durch die fetten Buchstaben. Auch der Trompete die Öffnung wegzunehmen, zerstört den Signal- und Zeichencharakter der Trompete. Die Typo passt ebenso nicht zusammen, zudem ist sie zu leicht (Jazzclub) und zu kantig (TONNE).«
Darüber hinaus gibt es noch viele mündliche Kritiken am Logo, die jedoch nicht in Schriftform vorliegen.
Analyse der Kritiken
Analysiert man diese Kritiken, lassen sich die Gründe für die Ablehnung des neuen Logos wie folgt zusammenfassen:
Erstens – Kritik unter dem Marketingaspekt:
Gerade weil die »Tonne« die »Tonne« bleiben, also ihr Wesen als innovative Spielstätte des neuen Jazz kontinuierlich beibehalten will, sehen fast alle Kritiker überhaupt keinen marketingbedingten Grund für die Einführung eines neuen Logos, denn ein neues Logo symbolisiert und kommuniziert ja immer eine signifikante Änderung. Die Einführung eines neuen Logos für ein öffentlich bekanntes Unternehmen, das kontinuierlich so wie bisher weiterarbeiten will, schafft Irritationen und erschwert oder zerstört den Prozess der Marken-(Image-)Bildung.
Zweitens – Kritik an der grafischen Qualität:
Alle Kritiker empfinden die grafische Qualität als schlecht. Manche von ihnen begründen ihre Meinung – und zwar auf den Ebenen der Typografie, der Grafik und der Symbolik.
Argumentiert wird nach dem Motto: Wenn schon diese unnötige und marketingmäßig irreführende Einführung eines neuen Logos, dann sollte das neue Logo doch wenigstens grafisch deutlich besser als das vorherige sein. An dieser Stelle entsteht doppelte Enttäuschung: Es wird Geld ausgegeben und Zeit verwendet für etwas Unnötiges, das dann auch noch qualitativ schlecht realisiert wird.
Drittens – Kritik am Vorgehen des »Tonne«-Vorstandes bei der Einführung des neuen Logos:
Die Kritiker halten es für schlechten Stil oder vielleicht sogar für eine mögliche Verletzung des Urheberrechtes, ohne vorherige Nachfrage bei Anne Haufe (der Witwe des Urhebers des bisherigen Logos, Jürgen Haufe) und ohne deren schriftliche Genehmigung signifikante Elemente aus dem Haufe’schen Logo herauszunehmen (die Trompete ist geistiges Eigentum Jürgen Haufes) und in eine andere grafische Umgebung zu transplantieren. Basis dafür ist die Unterscheidung von Urheberrecht und Nutzungsrecht. Letzteres hat für das bisherige Logo die »Tonne«, das Urheberrecht verblieb aber bei Jürgen Haufe bzw. Anne Haufe.
Interpretation
Die relativ große Zahl der Kritiker sollte vor allem als eindrucksvoller Beleg für die Verbundenheit mit der »Tonne« interpretiert werden; wenn irgendein anderer Dresdner Klub sein Logo änderte, würde das wohl kaum jemanden interessieren. Sie zeugt aber auch von der Verbundenheit mit und der Wertschätzung der Arbeit von Jürgen Haufe, dem ersten Ehrenmitglied des alten »Tonne«-Vereins, in dessen Traditionslinie sich der jetzige Verein durch seine Namensänderung ganz betont stellt.
Eine ganze Zeit lang wurden die Kritiken unveröffentlicht gelassen; sie wurden dann Ende Februar 2011 an den »Tonne«-Vorstand übermittelt, verbunden mit dem Angebot, auf Jazz+Sonstiges eine Reaktion auf die Kritiken zu veröffentlichen.
Auffassung des »Tonne-Vorstandes«
Nun nachfolgend also die Auffassung des »Tonne«-Vorstandes zu den Kritiken am veränderten »Tonne«-Logo:
»Es ist für uns nicht überraschend, dass Veränderungen in der Gestaltung des öffentlichen Auftritts der Tonne, sei es die neue Gestaltung des Programmflyers, der Internet-Seite oder eben des Logos, Diskussionen und damit eben auch Kritik auslöst. Wer sich mit seiner Arbeit der Öffentlichkeit stellt, muss damit rechnen. Und wer seit zehn Jahren nicht selten bis an die Grenze der Belastbarkeit an der Erhaltung und Entwicklung der Tonne-Tradition arbeitet, hat gelernt Risiken einzugehen und prinzipiell auch mit eigener Fehlbarkeit zu leben. Wir haben gelernt, immer dann, wenn es uns erforderlich erschien, auf bestimmte Strategien zu beharren oder uns eben auch zu korrigieren. Wir haben aber auch gelernt, dass sich das Leben eines Jazzclubs aus der Binnenperspektive als erheblich komplexer und darum auch fragiler erweist, als es von Außen erscheint, und dass man gut beraten ist, nicht auf jedes Problem aufgeregt zu reagieren.
Was uns also nicht überrascht, ist Kritik. Was uns jedoch überrascht, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit dabei ein über allen Zweifeln erhabener Anspruch auf rechtes Wissen in Sachen Ästhetik, Moral und Recht erhoben wird. Was uns befremdet, ist, mit welcher Kühnheit mitunter auf unsere Motive oder den kollektiven mentalen Zustand des Vorstandes geschlossen wird, und mit welcher Heftigkeit wir von einigen Jazzfreunden angegriffen werden.
Was uns eher wundert, ist, welcher Stellenwert dem Werbeauftritt und den dabei genutzten Medien und Symbolen beigemessen wird, der ja nicht der eigentlicher Inhalt des Tonne-Geschehens ist, sondern auf diesen hinweisen soll. Und dieser Inhalt ist von anerkannt hoher Qualität. Dereinst hoffnungslos herunter gewirtschaftet, spielt die Tonne heute wieder in der nationalen Liga der Jazzclubs. Unsere Anstrengungen sind von daher primär darauf gerichtet, auch weiterhin zu den renommiertesten Clubs Deutschlands zu gehören.
Damit aber soll die Kritik an der Gestaltung des Logos nicht klein geredet werden. Wir werden uns ernsthaft mit jeder sachlichen Kritik auseinandersetzen. Die Würde der Beteiligten verletzende Beschimpfungen sind dabei jedoch alles andere als hilfreich, weil sie in der Regel dazu führen, einen Kommunikationsprozess abzubrechen bzw. gar nicht erst in Gang kommen zu lassen. Sachlich ist eine Kritik, die Argumente vorträgt, die überprüft bzw. diskutiert werden können. In diesem Sinne werden wir nach einer geeigneten Kommunikationsform suchen und gern jene, die in diesem Sinne das Tonne-Leben mitgestalten wollen, zur Diskussion einladen.
Dr. Helmut Gebauer
Vorstandsvorsitzender«
Ausblick
Es darf angenommen werden, dass sich sowohl der »Tonne«-Vorstand, der sich für die Einführung des veränderten Logos engagierte, als auch die Schar der Kritiker sehr mit dem Dresdner Jazz und mit dem Jazzclub Tonne Dresden verbunden fühlen. Deswegen sollten sich beide Gruppierungen nicht jeweils als Gegner sehen. Weiterhin darf wohl davon ausgegangen werden, dass die allermeisten Logo-Disputanten im bisherigen »Tonne«-Logo von Jürgen Haufe sowohl grafisch als auch symbolträchtig eine sehr gute, dem Wesen unserer »Tonne« adäquate Lösung sehen. Und einig dürften sich sicher auch alle darüber sein, dass der Jazzclub Tonne Dresden sein Kerngeschäft, das Veranstalten exzellenter Jazzkonzerte innovativen Charakters, vorbildlich und erfolgreich betreibt; nicht zuletzt wurde die »Tonne« erst kürzlich unter die besten drei Live-Clubs Deutschlands gewählt.
Unterschiedliche Sichtweisen und Erwartungen gibt es lediglich bei der Frage nach dem Stellenwert von Grafikdesign und insbesondere Logo. Für manche zählen diese Aspekte lediglich zum »Werbeauftritt«, der auf das Eigentliche hinweisen soll, für andere sind sie Teil des Eigentlichen, dem weithin Sichtbarmachen hoher eigener künstlerischer Ansprüche sowie dem Anbieten von Alternativen gegen kulturelle Anspruchslosigkeit.
Mathias Bäumel
Freitag, 11. März 2011
Dresdner Jazzclub Tonne könnte »Club des Jahres 2010« von Deutschland werden
(Konzert in der Tonne mit der Band Mauger – Gerry Hemingway, Mark Dressder, Rudresh Mahanthappa – im März 2009. Foto: Matthias Creutziger)Freude unter Dresdens Jazzfreunden! Der Jazzclub Tonne in Dresden ist für den Deutschen Live Entertainment Preis PRG LEA in der Kategorie »Club des Jahres« nominiert.
»Unsere Freude über die Nominierung möchten wir gern mit unserem Publikum teilen und spendieren deshalb zum Konzert der TIPTONS am kommenden Sonnabend (12.3.2011) ein Fass Freibier«, strahlt Tonne-Geschäftsführer Steffen Wilde.
Die Kategorie »Club des Jahres« erhält ein besonderes Gewicht durch die Kooperation des LEA mit der Initiative Musik, der Fördereinrichtung der Bundesregierung für die Musikwirtschaft in Deutschland: Der Gewinner des Spielstättenpreises erhält 20.000 Euro, die beiden weiteren Nominierten erhalten jeweils 5.000 Euro.
Neben dem Jazzclub Tonne e.V. sind der Jazzclub A-Trane in Berlin und der Jazzclub Hannover e. V. nominiert. Das wurde am 10. März 2011 bekanntgegeben. »Mit den beiden anderen Klubs befinden wir uns in höchst ehrenvoller Gesellschaft, in der wir uns wohl fühlen und die uns zusätzlich stolz macht«, betont Wilde.
Die Bekanntgabe des Gewinners und die Preisverleihung finden am 5. April 2011 im Rahmen der offiziellen Eröffnungsveranstaltung der Weltleitmessen Musikmesse und Prolight + Sound in der Festhalle in Frankfurt am Main statt.
Mit dem LEA werden seit 2006 herausragende Leistungen der Veranstaltungswirtschaft im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet. Initiator der Preisverleihung war der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft. Mitveranstalter sind der Verband deutscher Konzertdirektionen e.V. und das Branchenmagazin Musikmarkt.
M. B.
Kontakt Jazzclub Tonne e.V.: Steffen Wilde, Königstraße 15, 01097 Dresden, Telefon (0351) 80 260 17, Fax (0351) 80 260 18, E-Mail steffen.wilde@jazzclubtonne.de
Dienstag, 7. Dezember 2010
Jazzclub Tonne verzichtet auf sein bewährtes Logo und gibt sich ein unglücklich wirkendes Zeichen

Das Logo von Jürgen Haufe, registriert im Deutschen Patent- und Markenamt (Abfrage 8.12.2010).
Im Februar 2002 ließ sich der Jazzclub Neue Tonne Dresden beim Deutschen Patent- und Markenamt die damals am meisten zeichenhafte und reduzierte, von Jürgen Haufe geschaffene Variante der »Trompeten«-Wort-Bildmarke schützen. Damals stand der noch junge Verein am Anfang seines Weges und musste sich mancher Konkurrenten erwehren, die den Begriff »Tonne« und das Logo für sich nutzen wollten.
Dem vorausgegangen waren mehrere verschiedene Logo-Varianten für die »Neue Tonne«-Vorgängereinrichtungen, die allesamt markenrechtlich nicht geschützt und die im Rahmen einer früheren Veröffentlichung vorgestellt worden waren.
Im November 2010 nun beging der Jazzclub Neue Tonne Dresden seinen zehnten Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums benannte er sich in »Jazzclub Tonne Dresden« um, denn der Zusatz »neue« war längst nicht mehr nötig, und er gab sich eine neue Wort-Bildmarke, kurz: ein neues Logo.
Als Begründung für die Einführung des neuen Logos sollte die namentliche Umbenennung herhalten. Geschäftsführer Steffen Wilde am 9. November 2010: »Das neue Tonne-Logo wurde nötig, weil die Tonne ab 19. November wieder Tonne und nicht mehr Neue Tonne heißen wird.«
Doch hier fehlte es dem Verein wohl etwas an Kenntnis der eigenen Angelegenheiten, denn gewissermaßen im Vorgriff auf die Umbenennung hatte er bereits zu Jahresbeginn sein Logo verändert; die im Patent- und Markenamt geschützte Gestaltung wurde schon Ende 2009, Anfang 2010 um den Schriftzug »Jazzclub« erweitert, so dass »Jazzclub Tonne« entstand. Eine nochmalige Änderung des Logos im November 2010 wäre also zumindest aus Namensgründen nicht nötig gewesen.

Zu Beginn des Jahres 2010 wurde das Logo Jürgen Haufes durch den Schriftzug »Jazzclub« ergänzt – ein inhaltlich überflüssiger, weil Redundanz schaffender Eingriff.
Bereits mit dieser ersten Veränderung hatte der Verein den Wert seiner Wort-Bildmarke markenrechtlich gesehen aufgeweicht. »Eine Wort-Bildmarke ist nur in genau der Form geschützt, wie sie beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen ist«, sagt Judith Hesse, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Medienrecht der TU Dresden.
Mit der nun neu gestalteten Wort-Bildmarke vom November 2010 (siehe weiter unten) ist die Ferne zur eingetragenen Marke noch deutlich größer geworden. Die andere Schrift, der grafisch anders gestaltete Trompetentrichter (dem ja als Bindeelement zwischen Wort und Bild eine zentrale Bedeutung zukommt) und vor allem das völlige Fehlen der Bogenlinie lassen eine deutliche Abkehr von der eigenen eingetragenen Marke erkennen.
Die Frage, ob die beiden Ereignisse – das Jubiläum und die Umbenennung – überhaupt zwingend zu Veränderungen der Wort-Bildmarke führen müssen, drängt sich auf.
Andernorts hütet man seine Logos, Hausfarben und -schriften wie einen Schatz. Nur bei wirklichen Zäsuren im Sinne von Fusionen oder Übernahmen – etwa im Falle der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, was zu einer raffinierten und gelungenen Veränderung beim Außenauftritt führte – werden deutlich sichtbare Corporate Design-Änderungen nötig.
In weiteren Fällen führen Veränderungen in der Produktpalette, Erweiterungen der Konzernstruktur sowie modifizierte Unternehmensziele zu Veränderungen beim Logo, etwa im Falle von Philips zum Ersetzen der klassisch anmutenden Bild- durch die neue Wortmarke.
Doch will die »Tonne« ihr künstlerische Veranstaltungsprofil so deutlich ändern, dass es zu Corporate-Design-Änderungen kommen müsste? – Nein, im Gegenteil.
»Die Tonne wird die Tonne bleiben, indem sie immer wieder neue Wege geht«, ist mit Bezug auf die Einführung des neuen Logos im November-Programmfaltblatt zu lesen. Eine Formulierung, die gerade die Kontinuität des Innovativen bei der Konzertgestaltung – und nicht eine etwaige Zäsur – betont.

Das neue Logo von Tauundtag.
Was also störte die »Tonne«-Verantwortlichen am eingeführten, bisherigen Haufe’schen Logo?
Symbolwirkung und Ästhetik können es nicht sein, denn das nunmehrige Logo vermittelt hinsichtlich beider Aspekte einen unvollständigen und handwerklich unprofessionellen Eindruck.
Der einst handgezeichnete Trompetentrichter, homogener Teil des Instruments und durch den lockeren Pinselstrich auf den frischen Charakter der Musik verweisend, wurde ersetzt durch ein starres, zur Seite gelegtes und gequetschtes »O«, dessen Strichstärke unentschlossen unterschiedlich dick ist. Die symbolträchtige Lockerheit ist hin, und die durch das Haufe’sche Trompetentrichter-»O« bewerkstelligte Verbindung zwischen Bild und Wort sowie zwischen Jazz (Trompete) und „Tonne“ ebenfalls.
Das nunmehrige Fehlen des Bogens lässt das gesamte Logo grafisch auseinanderfallen, dem dadurch auch der symbolische Bezug zum einstigen Tonnen-Gewölbe fehlt.
Wer das Logo in seinen wichtigsten Nutzungsumgebungen sieht (Website, Programmflyer, Briefköpfe), stellt fest, dass der Textteil „Jazzclub“, in kleiner Schrift rot unter das Quetsch-»O« geblockt, »wegfliegt«; auf schwarzem Hintergrund ist er nur schwer zu erkennen.
Inwieweit es moralisch und urheberrechtlich vertretbar ist, grafische Einzelelemente aus einem Komplettwerk eines anderen Künstlers herauszulösen und in eigene grafische Kontexte ohne vorherige ausdrückliche Genehmigung hineinzusetzen, bleibt noch zu diskutieren.
Mathias Bäumel
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Jazzclub Neue Tonne,
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Freitag, 19. November 2010
Jubiläum: Nach zehn Jahren nicht mehr »neu«
Um nach der Insolvenz des damaligen Jazzclubs Tonne Dresden e. V. im Jahre 2000 den »Tonne«-Jazz für Dresden zu retten, gründeten Dresdner Jazzfreunde am 21. November 2000 im Jazzcafé des Dresdner Waldschlösschengeländes den Verein Jazzclub Neue Tonne Dresden.
Anlässlich der Jubiläumsfeier am 19. November 2010 zum zehnten Geburtstag des Vereins hat sich nun der renommierte Dresdner Jazzclub in Jazzclub Tonne Dresden e. V. umbenannt. Grund: Das »neu« ist nach zehn Jahren längst nicht mehr angemessen, war damals jedoch nötig, da es sich um einen neugegründeten, selbstständigen und vom in Insolvenz befindlichen alten Verein völlig unabhängigen Verein handelte.
Mit der Umbenennung will der Jazzverein auch verdeutlichen, dass er sich in der künstlerischen Tradition des früheren »Tonne«-Klubs und dessen Vorgänger, der IG Jazz, sieht. Mit ihr trägt der Jazzclub aber auch der Tatsache Rechnung, dass Jazzfans im allgemeinen Sprachgebrauch ohnehin seit vielen Jahren stets nur von »der Tonne« sprachen.
M. B.
Anlässlich der Jubiläumsfeier am 19. November 2010 zum zehnten Geburtstag des Vereins hat sich nun der renommierte Dresdner Jazzclub in Jazzclub Tonne Dresden e. V. umbenannt. Grund: Das »neu« ist nach zehn Jahren längst nicht mehr angemessen, war damals jedoch nötig, da es sich um einen neugegründeten, selbstständigen und vom in Insolvenz befindlichen alten Verein völlig unabhängigen Verein handelte.
Mit der Umbenennung will der Jazzverein auch verdeutlichen, dass er sich in der künstlerischen Tradition des früheren »Tonne«-Klubs und dessen Vorgänger, der IG Jazz, sieht. Mit ihr trägt der Jazzclub aber auch der Tatsache Rechnung, dass Jazzfans im allgemeinen Sprachgebrauch ohnehin seit vielen Jahren stets nur von »der Tonne« sprachen.
M. B.
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