Das derzeitige, umstrittene Logo des Dresdner Jazzclubs Tonne bleibt, wie es ist. Auch an eine Überarbeitung des gesamten Corporate Designs des Klubs ist gegenwärtig nicht gedacht. Allenfalls marginale Veränderungen im Rahmen des jetzigen Designs seien möglich. Das geht aus Antworten der Klubleitung auf Anfragen im Vorfeld eines letztlich für den 9. Januar 2012 geplanten Treffens zwischen Logo-Kritikern und »Tonne«-Vorstand hervor.
Dieses Treffen war Mitte April 2011 im Rahmen einer Veröffentlichung der Logo-Kritiken in Aussicht gestellt worden, jedoch ohne konkrete Terminfixierung.
Obwohl knapp ein dreiviertel Jahr später schließlich für den 9. Januar 2012 anberaumt, fand es dann doch nicht statt. Einige der Eingeladenen meldeten sich gar nicht erst an, weil sie wegen der außergewöhnlich langen Wartezeit bis zum Gesprächstermin resignierten und den Eindruck hatten, der Jazzclub spiele ohnehin bloß auf Zeit, andere sagten kurzfristig ab, als die »Tonne«-Leitung knapp zuvor klarstellte, dass es keineswegs um erste Schritte zur Veränderung des gegenwärtigen umstrittenen Logos gehen soll, erst recht nicht um die erhoffte Rückkehr zum Logo von Jürgen Haufe, sondern lediglich darum, »ins Gespräch zu kommen«.
Gesprächsangebote jedoch hatten Kritiker des neuen Logos schon unmittelbar nach dessen Einführung Anfang November 2010 gemacht und sich persönlich oder per E-Mail mit Kritiken, Argumenten (zum Beispiel die hier) und Fragen an die »Tonne« gewandt, liefen damit jedoch »gegen eine Wand«.
Die Einführung dieses Logos Anfang November 2010 hatte damals eine ungewöhnlich große Zahl von kritischen Einschätzungen, in wenigen Fällen sogar wütende Proteste, in einem Fall sogar einen Klubsaustritt nach sich gezogen.
M. B.
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Mittwoch, 25. Januar 2012
Freitag, 15. April 2011
Das veränderte Logo des Dresdner Jazzclubs Tonne erzeugte ein vielfältiges Echo
Anfang November 2010 gab sich der Jazzclub Neue Tonne ein anderes Logo, das grafische Elemente der früheren Wort-Bildmarke nutzt.
Anlass dieser Änderung war der zehnte Geburtstag des Dresdner Jazzvereins, der sich zugleich in »Jazzclub Tonne« umbenannte.
Schon in den ersten Tagen der Nutzung des veränderten Logos äußerten sich Besucher von »Tonne«-Konzerten und der »Tonne«-Internetseite mündlich oder per E-Mail kritisch zum veränderten Logo, teils mir gegenüber, teils an den »Tonne«-Vorstand gerichtet. Ich selbst veröffentlichte hier auf Jazz+Sonstiges ebenfalls eine kritische Sicht, die wiederum zu einem Echo unter Dresdens Jazzfreunden führte.
Kritik am veränderten Logo
Nachfolgend veröffentliche ich die mir bekannten und mir im Laufe der Zeit zwischen November 2010 und Januar 2011 per E-Mail zugegangenen Kritiken.
Christian Löser (Löser & Partner Werbeagentur GbR):
»Deine fachlich fundamentierten Argumente gegen das neue Logo kann ich als Grafikdesigner nur bestätigen. Abgesehen von der gestalterischen Fehlleistung ist die Verfahrensweise auch moralisch (rechtlich) verwerflich. Das Urheberrecht erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Insofern könnte der Plagiator zu einer so genannten Unterlassungserklärung aufgefordert werden.«
Jochen Stankowski (Atelier Stankowski – Visuelle Kommunikation):
»Recht haben sie!!!!!!!! Ist ja grausam. ›Verschlimmbessert‹ wird so etwas genannt. ... Aber das Haufezeichen ist sehr gut. «
Frank Ulbrich (Förderer):
»Hier kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen. Was war der Grund, das lebendige und originelle Logo von Jürgen Haufe gegen das sterile, schlecht nachempfundene neue Logo auszutauschen? Für mich ein echter Missgriff. Aber vielleicht lässt sich da noch was ändern?«
Frank Zeiler (Förderer):
»Ich möchte nur mein Befremden über das ›neue‹ Logo ausdrücken, eine völlig nutzlose Aktion bzw. nutzloser Aktionismus, grafisch schwach und vielleicht auch urheberrechtlich nicht korrekt, da man ein geschütztes Logo teilweise verwendet hat, allerdings bös ›verschlimmbessert‹.«
Bert Siegel (art2viz – Kulturmanagement – Onlinemarketing):
»Das ist ja wirklich merkwürdig und marketingmäßig völliger Blödsinn. Wieso macht das die Tonne? Zudem kann das neue Logo dem alten grafisch nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.«
Matthias Creutziger (Musik- und Theaterfotograf):
»Das neue Logo finde ich in keiner Weise gelungen und ist in dieser Form auch kein funktionierendes ›Logo‹. Das ›O‹ als Trompetenöffnung funktioniert so nicht und die Schrift... Naja, was soll das? Auch fehlt der Bogen darüber, der die Tonne symbolisierte. ... Ich jedenfalls würde mich sehr darüber freuen, wenn das alte Logo von einem der wichtigsten Dresdner Grafiker, dem der Club auch sehr viel zu verdanken hat, wieder die Tonne symbolisieren würde.«
Frank Voigt (Künstler):
»Das neue ›Tonne‹-Logo sieht hilflos und dilettantisch aus. Nichts gegen Kinderzeichnungen, aber für ein professionelles Logo sollte man auch einen professionellen Gestalter finden! Zumal das ›alte‹ Zeichen einfach gut ist!«
Manfred Richter (Typograf, Drucker, Geschäftsführer SchumacherGebler):
»Das alte, bisherige Logo von Jürgen Haufe war weder unzeitgemäß noch grafisch unstimmig noch konnte man es nicht mehr sehen. Zwar kann man das Zehnjahresjubiläum des Vereins als Anlass für Veränderungen sehen, aber warum dann ein neues Logo, wenn es schlechter ist als das alte? Kurt Weidemann formulierte treffend:
›In keinem Land werden Symbole, Hymnen, Hoheitszeichen so leichtfertig in Frage gestellt wie bei den Deutschen. Die Darstellung muss sich nicht zwangsläufig ändern, weil sich Strukturen und Technologien geändert haben. Fortschritt, Modernität, Innovation müssen Produkte und Leistungen unter Beweis stellen, nicht ein mit jedem Zeitgeschmack geändertes Zeichen.‹«
Martin Hörenz (Jazzfreund und »Tonne«-Konzertbesucher):
»Liebe Freunde des Jazz, da blieb mir glatt die Spucke weg! Unglaublich unfassbar ist es, dass ihr das Aushängeschild des Jazzclubs, das Logo der Tonne, so verunstaltet habt. Ist denn in Dresden wirklich alles möglich? Ich glaube, nicht nur ich hatte den vom Dresdner Künstler Jürgen Haufe gestalteten Schriftzug so verinnerlicht, dass mir die Veränderung wie ein Schlag ins Gesicht vorkam. Wie war das möglich und wer hat das zu verantworten? ... Der Grafiker Jürgen Haufe, zuletzt Professor an der Dresdner Kunsthochschule, war bis zu seinem Lebensende eng mit dem Jazz und der Dresdner Jazzszene verbunden. In dem von ihm gestalteten Logo steckt seine Energie, seine Seele, sein Herzblut. Unabhängig von der moralischen Frage steht die juristische: ist diese dilettantische ›Verballhornung‹ einfach so, ohne Einbeziehung der Witwe des Künstlers überhaupt statthaft?«
Petra Müller (Professorin Kommunikationsgestaltung an der HTW Dresden und Inhaberin eines international tätigen eigenen Büros):
»Ich sehe das Erscheinungsbild in der Überarbeitung von Tauundtag sehr verändert, sehr unidentisch, sehr schwach in der Aussage, schlicht zu wenig prägnant für das schon eingeprägte Logo. Selbst wenn das Logo von Jürgen Haufe mit dem redundanten Untertitel Jazzclub versehen war, hat es doch etwas vom Bogen des Kellers, von der Bewegtheit der Musik und die Kraft einer Tonne durch die fetten Buchstaben. Auch der Trompete die Öffnung wegzunehmen, zerstört den Signal- und Zeichencharakter der Trompete. Die Typo passt ebenso nicht zusammen, zudem ist sie zu leicht (Jazzclub) und zu kantig (TONNE).«
Darüber hinaus gibt es noch viele mündliche Kritiken am Logo, die jedoch nicht in Schriftform vorliegen.
Analyse der Kritiken
Analysiert man diese Kritiken, lassen sich die Gründe für die Ablehnung des neuen Logos wie folgt zusammenfassen:
Erstens – Kritik unter dem Marketingaspekt:
Gerade weil die »Tonne« die »Tonne« bleiben, also ihr Wesen als innovative Spielstätte des neuen Jazz kontinuierlich beibehalten will, sehen fast alle Kritiker überhaupt keinen marketingbedingten Grund für die Einführung eines neuen Logos, denn ein neues Logo symbolisiert und kommuniziert ja immer eine signifikante Änderung. Die Einführung eines neuen Logos für ein öffentlich bekanntes Unternehmen, das kontinuierlich so wie bisher weiterarbeiten will, schafft Irritationen und erschwert oder zerstört den Prozess der Marken-(Image-)Bildung.
Zweitens – Kritik an der grafischen Qualität:
Alle Kritiker empfinden die grafische Qualität als schlecht. Manche von ihnen begründen ihre Meinung – und zwar auf den Ebenen der Typografie, der Grafik und der Symbolik.
Argumentiert wird nach dem Motto: Wenn schon diese unnötige und marketingmäßig irreführende Einführung eines neuen Logos, dann sollte das neue Logo doch wenigstens grafisch deutlich besser als das vorherige sein. An dieser Stelle entsteht doppelte Enttäuschung: Es wird Geld ausgegeben und Zeit verwendet für etwas Unnötiges, das dann auch noch qualitativ schlecht realisiert wird.
Drittens – Kritik am Vorgehen des »Tonne«-Vorstandes bei der Einführung des neuen Logos:
Die Kritiker halten es für schlechten Stil oder vielleicht sogar für eine mögliche Verletzung des Urheberrechtes, ohne vorherige Nachfrage bei Anne Haufe (der Witwe des Urhebers des bisherigen Logos, Jürgen Haufe) und ohne deren schriftliche Genehmigung signifikante Elemente aus dem Haufe’schen Logo herauszunehmen (die Trompete ist geistiges Eigentum Jürgen Haufes) und in eine andere grafische Umgebung zu transplantieren. Basis dafür ist die Unterscheidung von Urheberrecht und Nutzungsrecht. Letzteres hat für das bisherige Logo die »Tonne«, das Urheberrecht verblieb aber bei Jürgen Haufe bzw. Anne Haufe.
Interpretation
Die relativ große Zahl der Kritiker sollte vor allem als eindrucksvoller Beleg für die Verbundenheit mit der »Tonne« interpretiert werden; wenn irgendein anderer Dresdner Klub sein Logo änderte, würde das wohl kaum jemanden interessieren. Sie zeugt aber auch von der Verbundenheit mit und der Wertschätzung der Arbeit von Jürgen Haufe, dem ersten Ehrenmitglied des alten »Tonne«-Vereins, in dessen Traditionslinie sich der jetzige Verein durch seine Namensänderung ganz betont stellt.
Eine ganze Zeit lang wurden die Kritiken unveröffentlicht gelassen; sie wurden dann Ende Februar 2011 an den »Tonne«-Vorstand übermittelt, verbunden mit dem Angebot, auf Jazz+Sonstiges eine Reaktion auf die Kritiken zu veröffentlichen.
Auffassung des »Tonne-Vorstandes«
Nun nachfolgend also die Auffassung des »Tonne«-Vorstandes zu den Kritiken am veränderten »Tonne«-Logo:
»Es ist für uns nicht überraschend, dass Veränderungen in der Gestaltung des öffentlichen Auftritts der Tonne, sei es die neue Gestaltung des Programmflyers, der Internet-Seite oder eben des Logos, Diskussionen und damit eben auch Kritik auslöst. Wer sich mit seiner Arbeit der Öffentlichkeit stellt, muss damit rechnen. Und wer seit zehn Jahren nicht selten bis an die Grenze der Belastbarkeit an der Erhaltung und Entwicklung der Tonne-Tradition arbeitet, hat gelernt Risiken einzugehen und prinzipiell auch mit eigener Fehlbarkeit zu leben. Wir haben gelernt, immer dann, wenn es uns erforderlich erschien, auf bestimmte Strategien zu beharren oder uns eben auch zu korrigieren. Wir haben aber auch gelernt, dass sich das Leben eines Jazzclubs aus der Binnenperspektive als erheblich komplexer und darum auch fragiler erweist, als es von Außen erscheint, und dass man gut beraten ist, nicht auf jedes Problem aufgeregt zu reagieren.
Was uns also nicht überrascht, ist Kritik. Was uns jedoch überrascht, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit dabei ein über allen Zweifeln erhabener Anspruch auf rechtes Wissen in Sachen Ästhetik, Moral und Recht erhoben wird. Was uns befremdet, ist, mit welcher Kühnheit mitunter auf unsere Motive oder den kollektiven mentalen Zustand des Vorstandes geschlossen wird, und mit welcher Heftigkeit wir von einigen Jazzfreunden angegriffen werden.
Was uns eher wundert, ist, welcher Stellenwert dem Werbeauftritt und den dabei genutzten Medien und Symbolen beigemessen wird, der ja nicht der eigentlicher Inhalt des Tonne-Geschehens ist, sondern auf diesen hinweisen soll. Und dieser Inhalt ist von anerkannt hoher Qualität. Dereinst hoffnungslos herunter gewirtschaftet, spielt die Tonne heute wieder in der nationalen Liga der Jazzclubs. Unsere Anstrengungen sind von daher primär darauf gerichtet, auch weiterhin zu den renommiertesten Clubs Deutschlands zu gehören.
Damit aber soll die Kritik an der Gestaltung des Logos nicht klein geredet werden. Wir werden uns ernsthaft mit jeder sachlichen Kritik auseinandersetzen. Die Würde der Beteiligten verletzende Beschimpfungen sind dabei jedoch alles andere als hilfreich, weil sie in der Regel dazu führen, einen Kommunikationsprozess abzubrechen bzw. gar nicht erst in Gang kommen zu lassen. Sachlich ist eine Kritik, die Argumente vorträgt, die überprüft bzw. diskutiert werden können. In diesem Sinne werden wir nach einer geeigneten Kommunikationsform suchen und gern jene, die in diesem Sinne das Tonne-Leben mitgestalten wollen, zur Diskussion einladen.
Dr. Helmut Gebauer
Vorstandsvorsitzender«
Ausblick
Es darf angenommen werden, dass sich sowohl der »Tonne«-Vorstand, der sich für die Einführung des veränderten Logos engagierte, als auch die Schar der Kritiker sehr mit dem Dresdner Jazz und mit dem Jazzclub Tonne Dresden verbunden fühlen. Deswegen sollten sich beide Gruppierungen nicht jeweils als Gegner sehen. Weiterhin darf wohl davon ausgegangen werden, dass die allermeisten Logo-Disputanten im bisherigen »Tonne«-Logo von Jürgen Haufe sowohl grafisch als auch symbolträchtig eine sehr gute, dem Wesen unserer »Tonne« adäquate Lösung sehen. Und einig dürften sich sicher auch alle darüber sein, dass der Jazzclub Tonne Dresden sein Kerngeschäft, das Veranstalten exzellenter Jazzkonzerte innovativen Charakters, vorbildlich und erfolgreich betreibt; nicht zuletzt wurde die »Tonne« erst kürzlich unter die besten drei Live-Clubs Deutschlands gewählt.
Unterschiedliche Sichtweisen und Erwartungen gibt es lediglich bei der Frage nach dem Stellenwert von Grafikdesign und insbesondere Logo. Für manche zählen diese Aspekte lediglich zum »Werbeauftritt«, der auf das Eigentliche hinweisen soll, für andere sind sie Teil des Eigentlichen, dem weithin Sichtbarmachen hoher eigener künstlerischer Ansprüche sowie dem Anbieten von Alternativen gegen kulturelle Anspruchslosigkeit.
Mathias Bäumel
Anlass dieser Änderung war der zehnte Geburtstag des Dresdner Jazzvereins, der sich zugleich in »Jazzclub Tonne« umbenannte.
Schon in den ersten Tagen der Nutzung des veränderten Logos äußerten sich Besucher von »Tonne«-Konzerten und der »Tonne«-Internetseite mündlich oder per E-Mail kritisch zum veränderten Logo, teils mir gegenüber, teils an den »Tonne«-Vorstand gerichtet. Ich selbst veröffentlichte hier auf Jazz+Sonstiges ebenfalls eine kritische Sicht, die wiederum zu einem Echo unter Dresdens Jazzfreunden führte.
Kritik am veränderten Logo
Nachfolgend veröffentliche ich die mir bekannten und mir im Laufe der Zeit zwischen November 2010 und Januar 2011 per E-Mail zugegangenen Kritiken.
Christian Löser (Löser & Partner Werbeagentur GbR):
»Deine fachlich fundamentierten Argumente gegen das neue Logo kann ich als Grafikdesigner nur bestätigen. Abgesehen von der gestalterischen Fehlleistung ist die Verfahrensweise auch moralisch (rechtlich) verwerflich. Das Urheberrecht erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Insofern könnte der Plagiator zu einer so genannten Unterlassungserklärung aufgefordert werden.«
Jochen Stankowski (Atelier Stankowski – Visuelle Kommunikation):
»Recht haben sie!!!!!!!! Ist ja grausam. ›Verschlimmbessert‹ wird so etwas genannt. ... Aber das Haufezeichen ist sehr gut. «
Frank Ulbrich (Förderer):
»Hier kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen. Was war der Grund, das lebendige und originelle Logo von Jürgen Haufe gegen das sterile, schlecht nachempfundene neue Logo auszutauschen? Für mich ein echter Missgriff. Aber vielleicht lässt sich da noch was ändern?«
Frank Zeiler (Förderer):
»Ich möchte nur mein Befremden über das ›neue‹ Logo ausdrücken, eine völlig nutzlose Aktion bzw. nutzloser Aktionismus, grafisch schwach und vielleicht auch urheberrechtlich nicht korrekt, da man ein geschütztes Logo teilweise verwendet hat, allerdings bös ›verschlimmbessert‹.«
Bert Siegel (art2viz – Kulturmanagement – Onlinemarketing):
»Das ist ja wirklich merkwürdig und marketingmäßig völliger Blödsinn. Wieso macht das die Tonne? Zudem kann das neue Logo dem alten grafisch nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.«
Matthias Creutziger (Musik- und Theaterfotograf):
»Das neue Logo finde ich in keiner Weise gelungen und ist in dieser Form auch kein funktionierendes ›Logo‹. Das ›O‹ als Trompetenöffnung funktioniert so nicht und die Schrift... Naja, was soll das? Auch fehlt der Bogen darüber, der die Tonne symbolisierte. ... Ich jedenfalls würde mich sehr darüber freuen, wenn das alte Logo von einem der wichtigsten Dresdner Grafiker, dem der Club auch sehr viel zu verdanken hat, wieder die Tonne symbolisieren würde.«
Frank Voigt (Künstler):
»Das neue ›Tonne‹-Logo sieht hilflos und dilettantisch aus. Nichts gegen Kinderzeichnungen, aber für ein professionelles Logo sollte man auch einen professionellen Gestalter finden! Zumal das ›alte‹ Zeichen einfach gut ist!«
Manfred Richter (Typograf, Drucker, Geschäftsführer SchumacherGebler):
»Das alte, bisherige Logo von Jürgen Haufe war weder unzeitgemäß noch grafisch unstimmig noch konnte man es nicht mehr sehen. Zwar kann man das Zehnjahresjubiläum des Vereins als Anlass für Veränderungen sehen, aber warum dann ein neues Logo, wenn es schlechter ist als das alte? Kurt Weidemann formulierte treffend:
›In keinem Land werden Symbole, Hymnen, Hoheitszeichen so leichtfertig in Frage gestellt wie bei den Deutschen. Die Darstellung muss sich nicht zwangsläufig ändern, weil sich Strukturen und Technologien geändert haben. Fortschritt, Modernität, Innovation müssen Produkte und Leistungen unter Beweis stellen, nicht ein mit jedem Zeitgeschmack geändertes Zeichen.‹«
Martin Hörenz (Jazzfreund und »Tonne«-Konzertbesucher):
»Liebe Freunde des Jazz, da blieb mir glatt die Spucke weg! Unglaublich unfassbar ist es, dass ihr das Aushängeschild des Jazzclubs, das Logo der Tonne, so verunstaltet habt. Ist denn in Dresden wirklich alles möglich? Ich glaube, nicht nur ich hatte den vom Dresdner Künstler Jürgen Haufe gestalteten Schriftzug so verinnerlicht, dass mir die Veränderung wie ein Schlag ins Gesicht vorkam. Wie war das möglich und wer hat das zu verantworten? ... Der Grafiker Jürgen Haufe, zuletzt Professor an der Dresdner Kunsthochschule, war bis zu seinem Lebensende eng mit dem Jazz und der Dresdner Jazzszene verbunden. In dem von ihm gestalteten Logo steckt seine Energie, seine Seele, sein Herzblut. Unabhängig von der moralischen Frage steht die juristische: ist diese dilettantische ›Verballhornung‹ einfach so, ohne Einbeziehung der Witwe des Künstlers überhaupt statthaft?«
Petra Müller (Professorin Kommunikationsgestaltung an der HTW Dresden und Inhaberin eines international tätigen eigenen Büros):
»Ich sehe das Erscheinungsbild in der Überarbeitung von Tauundtag sehr verändert, sehr unidentisch, sehr schwach in der Aussage, schlicht zu wenig prägnant für das schon eingeprägte Logo. Selbst wenn das Logo von Jürgen Haufe mit dem redundanten Untertitel Jazzclub versehen war, hat es doch etwas vom Bogen des Kellers, von der Bewegtheit der Musik und die Kraft einer Tonne durch die fetten Buchstaben. Auch der Trompete die Öffnung wegzunehmen, zerstört den Signal- und Zeichencharakter der Trompete. Die Typo passt ebenso nicht zusammen, zudem ist sie zu leicht (Jazzclub) und zu kantig (TONNE).«
Darüber hinaus gibt es noch viele mündliche Kritiken am Logo, die jedoch nicht in Schriftform vorliegen.
Analyse der Kritiken
Analysiert man diese Kritiken, lassen sich die Gründe für die Ablehnung des neuen Logos wie folgt zusammenfassen:
Erstens – Kritik unter dem Marketingaspekt:
Gerade weil die »Tonne« die »Tonne« bleiben, also ihr Wesen als innovative Spielstätte des neuen Jazz kontinuierlich beibehalten will, sehen fast alle Kritiker überhaupt keinen marketingbedingten Grund für die Einführung eines neuen Logos, denn ein neues Logo symbolisiert und kommuniziert ja immer eine signifikante Änderung. Die Einführung eines neuen Logos für ein öffentlich bekanntes Unternehmen, das kontinuierlich so wie bisher weiterarbeiten will, schafft Irritationen und erschwert oder zerstört den Prozess der Marken-(Image-)Bildung.
Zweitens – Kritik an der grafischen Qualität:
Alle Kritiker empfinden die grafische Qualität als schlecht. Manche von ihnen begründen ihre Meinung – und zwar auf den Ebenen der Typografie, der Grafik und der Symbolik.
Argumentiert wird nach dem Motto: Wenn schon diese unnötige und marketingmäßig irreführende Einführung eines neuen Logos, dann sollte das neue Logo doch wenigstens grafisch deutlich besser als das vorherige sein. An dieser Stelle entsteht doppelte Enttäuschung: Es wird Geld ausgegeben und Zeit verwendet für etwas Unnötiges, das dann auch noch qualitativ schlecht realisiert wird.
Drittens – Kritik am Vorgehen des »Tonne«-Vorstandes bei der Einführung des neuen Logos:
Die Kritiker halten es für schlechten Stil oder vielleicht sogar für eine mögliche Verletzung des Urheberrechtes, ohne vorherige Nachfrage bei Anne Haufe (der Witwe des Urhebers des bisherigen Logos, Jürgen Haufe) und ohne deren schriftliche Genehmigung signifikante Elemente aus dem Haufe’schen Logo herauszunehmen (die Trompete ist geistiges Eigentum Jürgen Haufes) und in eine andere grafische Umgebung zu transplantieren. Basis dafür ist die Unterscheidung von Urheberrecht und Nutzungsrecht. Letzteres hat für das bisherige Logo die »Tonne«, das Urheberrecht verblieb aber bei Jürgen Haufe bzw. Anne Haufe.
Interpretation
Die relativ große Zahl der Kritiker sollte vor allem als eindrucksvoller Beleg für die Verbundenheit mit der »Tonne« interpretiert werden; wenn irgendein anderer Dresdner Klub sein Logo änderte, würde das wohl kaum jemanden interessieren. Sie zeugt aber auch von der Verbundenheit mit und der Wertschätzung der Arbeit von Jürgen Haufe, dem ersten Ehrenmitglied des alten »Tonne«-Vereins, in dessen Traditionslinie sich der jetzige Verein durch seine Namensänderung ganz betont stellt.
Eine ganze Zeit lang wurden die Kritiken unveröffentlicht gelassen; sie wurden dann Ende Februar 2011 an den »Tonne«-Vorstand übermittelt, verbunden mit dem Angebot, auf Jazz+Sonstiges eine Reaktion auf die Kritiken zu veröffentlichen.
Auffassung des »Tonne-Vorstandes«
Nun nachfolgend also die Auffassung des »Tonne«-Vorstandes zu den Kritiken am veränderten »Tonne«-Logo:
»Es ist für uns nicht überraschend, dass Veränderungen in der Gestaltung des öffentlichen Auftritts der Tonne, sei es die neue Gestaltung des Programmflyers, der Internet-Seite oder eben des Logos, Diskussionen und damit eben auch Kritik auslöst. Wer sich mit seiner Arbeit der Öffentlichkeit stellt, muss damit rechnen. Und wer seit zehn Jahren nicht selten bis an die Grenze der Belastbarkeit an der Erhaltung und Entwicklung der Tonne-Tradition arbeitet, hat gelernt Risiken einzugehen und prinzipiell auch mit eigener Fehlbarkeit zu leben. Wir haben gelernt, immer dann, wenn es uns erforderlich erschien, auf bestimmte Strategien zu beharren oder uns eben auch zu korrigieren. Wir haben aber auch gelernt, dass sich das Leben eines Jazzclubs aus der Binnenperspektive als erheblich komplexer und darum auch fragiler erweist, als es von Außen erscheint, und dass man gut beraten ist, nicht auf jedes Problem aufgeregt zu reagieren.
Was uns also nicht überrascht, ist Kritik. Was uns jedoch überrascht, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit dabei ein über allen Zweifeln erhabener Anspruch auf rechtes Wissen in Sachen Ästhetik, Moral und Recht erhoben wird. Was uns befremdet, ist, mit welcher Kühnheit mitunter auf unsere Motive oder den kollektiven mentalen Zustand des Vorstandes geschlossen wird, und mit welcher Heftigkeit wir von einigen Jazzfreunden angegriffen werden.
Was uns eher wundert, ist, welcher Stellenwert dem Werbeauftritt und den dabei genutzten Medien und Symbolen beigemessen wird, der ja nicht der eigentlicher Inhalt des Tonne-Geschehens ist, sondern auf diesen hinweisen soll. Und dieser Inhalt ist von anerkannt hoher Qualität. Dereinst hoffnungslos herunter gewirtschaftet, spielt die Tonne heute wieder in der nationalen Liga der Jazzclubs. Unsere Anstrengungen sind von daher primär darauf gerichtet, auch weiterhin zu den renommiertesten Clubs Deutschlands zu gehören.
Damit aber soll die Kritik an der Gestaltung des Logos nicht klein geredet werden. Wir werden uns ernsthaft mit jeder sachlichen Kritik auseinandersetzen. Die Würde der Beteiligten verletzende Beschimpfungen sind dabei jedoch alles andere als hilfreich, weil sie in der Regel dazu führen, einen Kommunikationsprozess abzubrechen bzw. gar nicht erst in Gang kommen zu lassen. Sachlich ist eine Kritik, die Argumente vorträgt, die überprüft bzw. diskutiert werden können. In diesem Sinne werden wir nach einer geeigneten Kommunikationsform suchen und gern jene, die in diesem Sinne das Tonne-Leben mitgestalten wollen, zur Diskussion einladen.
Dr. Helmut Gebauer
Vorstandsvorsitzender«
Ausblick
Es darf angenommen werden, dass sich sowohl der »Tonne«-Vorstand, der sich für die Einführung des veränderten Logos engagierte, als auch die Schar der Kritiker sehr mit dem Dresdner Jazz und mit dem Jazzclub Tonne Dresden verbunden fühlen. Deswegen sollten sich beide Gruppierungen nicht jeweils als Gegner sehen. Weiterhin darf wohl davon ausgegangen werden, dass die allermeisten Logo-Disputanten im bisherigen »Tonne«-Logo von Jürgen Haufe sowohl grafisch als auch symbolträchtig eine sehr gute, dem Wesen unserer »Tonne« adäquate Lösung sehen. Und einig dürften sich sicher auch alle darüber sein, dass der Jazzclub Tonne Dresden sein Kerngeschäft, das Veranstalten exzellenter Jazzkonzerte innovativen Charakters, vorbildlich und erfolgreich betreibt; nicht zuletzt wurde die »Tonne« erst kürzlich unter die besten drei Live-Clubs Deutschlands gewählt.
Unterschiedliche Sichtweisen und Erwartungen gibt es lediglich bei der Frage nach dem Stellenwert von Grafikdesign und insbesondere Logo. Für manche zählen diese Aspekte lediglich zum »Werbeauftritt«, der auf das Eigentliche hinweisen soll, für andere sind sie Teil des Eigentlichen, dem weithin Sichtbarmachen hoher eigener künstlerischer Ansprüche sowie dem Anbieten von Alternativen gegen kulturelle Anspruchslosigkeit.
Mathias Bäumel
Dienstag, 7. Dezember 2010
Jazzclub Tonne verzichtet auf sein bewährtes Logo und gibt sich ein unglücklich wirkendes Zeichen

Das Logo von Jürgen Haufe, registriert im Deutschen Patent- und Markenamt (Abfrage 8.12.2010).
Im Februar 2002 ließ sich der Jazzclub Neue Tonne Dresden beim Deutschen Patent- und Markenamt die damals am meisten zeichenhafte und reduzierte, von Jürgen Haufe geschaffene Variante der »Trompeten«-Wort-Bildmarke schützen. Damals stand der noch junge Verein am Anfang seines Weges und musste sich mancher Konkurrenten erwehren, die den Begriff »Tonne« und das Logo für sich nutzen wollten.
Dem vorausgegangen waren mehrere verschiedene Logo-Varianten für die »Neue Tonne«-Vorgängereinrichtungen, die allesamt markenrechtlich nicht geschützt und die im Rahmen einer früheren Veröffentlichung vorgestellt worden waren.
Im November 2010 nun beging der Jazzclub Neue Tonne Dresden seinen zehnten Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums benannte er sich in »Jazzclub Tonne Dresden« um, denn der Zusatz »neue« war längst nicht mehr nötig, und er gab sich eine neue Wort-Bildmarke, kurz: ein neues Logo.
Als Begründung für die Einführung des neuen Logos sollte die namentliche Umbenennung herhalten. Geschäftsführer Steffen Wilde am 9. November 2010: »Das neue Tonne-Logo wurde nötig, weil die Tonne ab 19. November wieder Tonne und nicht mehr Neue Tonne heißen wird.«
Doch hier fehlte es dem Verein wohl etwas an Kenntnis der eigenen Angelegenheiten, denn gewissermaßen im Vorgriff auf die Umbenennung hatte er bereits zu Jahresbeginn sein Logo verändert; die im Patent- und Markenamt geschützte Gestaltung wurde schon Ende 2009, Anfang 2010 um den Schriftzug »Jazzclub« erweitert, so dass »Jazzclub Tonne« entstand. Eine nochmalige Änderung des Logos im November 2010 wäre also zumindest aus Namensgründen nicht nötig gewesen.

Zu Beginn des Jahres 2010 wurde das Logo Jürgen Haufes durch den Schriftzug »Jazzclub« ergänzt – ein inhaltlich überflüssiger, weil Redundanz schaffender Eingriff.
Bereits mit dieser ersten Veränderung hatte der Verein den Wert seiner Wort-Bildmarke markenrechtlich gesehen aufgeweicht. »Eine Wort-Bildmarke ist nur in genau der Form geschützt, wie sie beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen ist«, sagt Judith Hesse, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Medienrecht der TU Dresden.
Mit der nun neu gestalteten Wort-Bildmarke vom November 2010 (siehe weiter unten) ist die Ferne zur eingetragenen Marke noch deutlich größer geworden. Die andere Schrift, der grafisch anders gestaltete Trompetentrichter (dem ja als Bindeelement zwischen Wort und Bild eine zentrale Bedeutung zukommt) und vor allem das völlige Fehlen der Bogenlinie lassen eine deutliche Abkehr von der eigenen eingetragenen Marke erkennen.
Die Frage, ob die beiden Ereignisse – das Jubiläum und die Umbenennung – überhaupt zwingend zu Veränderungen der Wort-Bildmarke führen müssen, drängt sich auf.
Andernorts hütet man seine Logos, Hausfarben und -schriften wie einen Schatz. Nur bei wirklichen Zäsuren im Sinne von Fusionen oder Übernahmen – etwa im Falle der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, was zu einer raffinierten und gelungenen Veränderung beim Außenauftritt führte – werden deutlich sichtbare Corporate Design-Änderungen nötig.
In weiteren Fällen führen Veränderungen in der Produktpalette, Erweiterungen der Konzernstruktur sowie modifizierte Unternehmensziele zu Veränderungen beim Logo, etwa im Falle von Philips zum Ersetzen der klassisch anmutenden Bild- durch die neue Wortmarke.
Doch will die »Tonne« ihr künstlerische Veranstaltungsprofil so deutlich ändern, dass es zu Corporate-Design-Änderungen kommen müsste? – Nein, im Gegenteil.
»Die Tonne wird die Tonne bleiben, indem sie immer wieder neue Wege geht«, ist mit Bezug auf die Einführung des neuen Logos im November-Programmfaltblatt zu lesen. Eine Formulierung, die gerade die Kontinuität des Innovativen bei der Konzertgestaltung – und nicht eine etwaige Zäsur – betont.

Das neue Logo von Tauundtag.
Was also störte die »Tonne«-Verantwortlichen am eingeführten, bisherigen Haufe’schen Logo?
Symbolwirkung und Ästhetik können es nicht sein, denn das nunmehrige Logo vermittelt hinsichtlich beider Aspekte einen unvollständigen und handwerklich unprofessionellen Eindruck.
Der einst handgezeichnete Trompetentrichter, homogener Teil des Instruments und durch den lockeren Pinselstrich auf den frischen Charakter der Musik verweisend, wurde ersetzt durch ein starres, zur Seite gelegtes und gequetschtes »O«, dessen Strichstärke unentschlossen unterschiedlich dick ist. Die symbolträchtige Lockerheit ist hin, und die durch das Haufe’sche Trompetentrichter-»O« bewerkstelligte Verbindung zwischen Bild und Wort sowie zwischen Jazz (Trompete) und „Tonne“ ebenfalls.
Das nunmehrige Fehlen des Bogens lässt das gesamte Logo grafisch auseinanderfallen, dem dadurch auch der symbolische Bezug zum einstigen Tonnen-Gewölbe fehlt.
Wer das Logo in seinen wichtigsten Nutzungsumgebungen sieht (Website, Programmflyer, Briefköpfe), stellt fest, dass der Textteil „Jazzclub“, in kleiner Schrift rot unter das Quetsch-»O« geblockt, »wegfliegt«; auf schwarzem Hintergrund ist er nur schwer zu erkennen.
Inwieweit es moralisch und urheberrechtlich vertretbar ist, grafische Einzelelemente aus einem Komplettwerk eines anderen Künstlers herauszulösen und in eigene grafische Kontexte ohne vorherige ausdrückliche Genehmigung hineinzusetzen, bleibt noch zu diskutieren.
Mathias Bäumel
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Logo,
Trompete
Dienstag, 20. Juli 2010
Broschüre zum »Tonne«-Jazz rund um die politische Wende im Oktober 1989 liegt vor
Mit »Streiflichter. Erinnerungen und Überlegungen zum Jazz in Dresden rund um die politische Wende« hat der Jazzclub Neue Tonne eine Broschüre veröffentlicht, die versucht, sowohl die Ereignisse rund um die »Tonne«-Konzerte der damaligen IG Jazz Dresden im Oktober 1989 und die Erinnerungen einiger Musiker dem Vergessen zu entreißen als auch Antworten auf die Frage zu finden, welche Rolle die die DDR-Kulturpolitik oder gar die Staatssicherheit bei der Übernahme der Gewölbekeller unter der Ruine des Kurländer Palais durch die IG Jazz am Ende der siebziger und am Anfang der achtziger Jahre spielte. Zugleich ist die Broschüre abschließender Teil des Projektes »Wendejazz – Jazz in Dresden rund um die politische Wende 1989«, das aus dem Programm »20 Jahre Friedliche Revolution und deutsche Einheit« der Sächsischen Staatskanzlei gefördert worden war und in dessen Rahmen zwei Konzerte im Oktober 2009 sowie eine Ausstellung im Jazzclub Neue Tonne bis Ende 2009 stattfanden. Auch Vorträge und eine Webseite zählten zum Projekt.
Die unter Verwendung von Handzeichnungen des 1999 verstorbenen Dresdner Künstlers und Jazzfreundes Jürgen Haufe von Kerstin Hübsch (Grundsatz Grafikdesign) anspruchsvoll gestaltete Broschüre verdeutlicht, dass die damalige IG Jazz Dresden in den Jahren vor der politischen Wende als Jazzveranstalter durchaus zu den Nutznießern der Kultur- und Sicherheitspolitik der DDR zählte, keinesfalls »zu den Benachteiligten oder gar Unterdrückten«. Die Veröffentlichung verweist aber ebenso darauf, dass diese Konstellation durchaus auch zum Nutzen der Jazzfans und guter, internationaler Jazzmusik funktionierte: So manches wilde, interessante Konzert mit Musikern aus dem westlichen Ausland durfte stattfinden, weil es jazz-nahen Kulturfunktionären oder gar IMs gelungen war, »nach oben« das Misstrauen zu zerstreuen. Beschrieben wird anhand einiger weniger Beispiele auch, mit welch perfiden Methoden die Stasi Andersdenkende auch im Jazzbereich »zersetzen« wollte.
Der dokumentarische Teil der Veröffentlichung ruft zwei Konzerte in der alten »Tonne« im Oktober 1989 in Erinnerung und verdeutlicht, wie die Jubiläumskonzerte zwanzig Jahre danach im Oktober 2009 jene von 1989 konzeptionell aufgegriffen und weiterentwickelt haben.
Mathias Bäumel
Jazzclub Neue Tonne Dresden e. V. (Hrsg.): Streiflichter. Erinnerungen und Überlegungen zum Jazz in Dresden rund um die politische Wende, Dresden 2010, 56 Seiten, ISBN 978-3-941209-04-6
Bezug über www.jazzclubtonne.de oder, ab September 2010 wieder, zu Konzerten im Jazzclub Neue Tonne oder bei Sweetwater, Friedrich Wieck Str. 4, 01326 Dresden.
Spende an die »Tonne« ab 5 Euro pro Heft willkommen.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Wie die „Tonne“ zur Trompete kam
Von Wiesław Dymny bis Jürgen Haufe – kleine Geschichte des „Tonne“-Logos

(Das Tonne-Logo, wie es heute bekannt ist, hier bei einem Konzert der Band Mauger im März 2009. Foto: Matthias Creutziger)
Krakau Mitte der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre – dort lebte der Maler, Plastiker, Grafiker, Dehbuch- und Textautor Wiesław Dymny. Der initiierte noch als Kunststudent 1956 in einem historischen Gemäuer des Stadtzentrums das Kabarett „Piwnicy pod Baranami“ (etwa „Keller unter den Lämmern“). Als eine der zentralen Künstlerfiguren Krakaus war er auch dabei, als ebenfalls 1956 auf der St. Markusstraße 15 der schnell berühmt werdende Jazzklub „Helikon“ gegründet wurde – der erste reguläre in Polen überhaupt.
Dieser Wiesław Dymny schmückte die Wände des „Helikon“ mit fantasievollen, surrealistisch wirkenden Fresken, mit witzigen Pinselzeichnungen. Das Wandbild über dem Türgewölbe zeigte ein imaginiertes Kombinationsinstrument in der Art eines Wolpertingers, das Piano, einen Pianisten und eine dominante, übergroße Helikon-Tuba in sich vereint. (Das Helikon, auch Helikon-Tuba, ist eine Tuba-Bauform, die in Europa sehr häufig das amerikanische Sousaphon ersetzte und somit bei vielen Oldtimejazz-Kapellen des Alten Kontinents zum Einsatz kam.)

(Von Wiesław Dymny selbst aufgenommenes Foto im „Helikon“-Jazzklub, im Hintergrund das surrealistisch wirkende Fresko, vorn Gründer des Klubs. Quelle: diapzon.pl)
Gäste im Klub, der sich schnell von einem Oldtime-Klub zu einem Brennpunkt moderner polnischer Jazzentwicklung mauserte und der bis 1969 existierte, waren unter anderem Krzysztof Komeda, Tomas Stanko, Adam Makowicz, Janusz Stefanski und viele weitere Vertreter des damaligen zeitgenössischen Jazz Polens, auch der Bassist und spätere Jazzpromoter Jan Byrczek.
Erinnerungen, Eindrücke und Verhältnisse an, von und in diesem Jazzklub der ersten Stunde hat erst kürzlich der Publizist Grzegorz Tusiewicz unter dem Titel „Krakowski Jazz-Klub Helikon 1956 - 1969 - Wspomnienia, impresje, relacje“ veröffentlicht. Die Buchtitelgestaltung zeigte ein – allerdings in Richtung Trompete stilisiertes – Helikon ebenfalls von Dymny. Die Metamorphose des Helikons zur Trompete entsprach der Entwicklung im „Helikon“-Klub hin zur Dominanz des zeitgenössischen Jazz, war, wie Beobachter vermuten, vielleicht sogar von der Charismatik des faszinierenden Trompetenspiels des jungen Tomas Stanko im Klub „Helikon“ beeinflusst.
1963 gründete Byrczek, zunehmend Organisator als Bassist, auf der Basis eines bereits vorhandenen Jazzklub-Zusammenschlusses die Polnische Jazzgesellschaft (Polskie Stowarzyszenie Jazzowe - PSJ), die sich schnell zur größten europäischen Jazzorganisation entwickelte.
Das dadurch in rasantem Tempo bekannt werdende PSJ-Logo mit der Trompete schuf, wie Grzegorz Tusiewicz versichert, wiederum Wiesław Dymny.
Im selben Jahr hatte Byrczek das polnische Zweimonatsmagazin „Jazz Forum“ ins Leben gerufen. Für DDR-Jazzfans war diese Zeitschrift – anfangs englisch-, dann für eine gewisse Zeit sogar auch deutschsprachig – die einzige gut erreichbare Jazz-Fachpublikation und entsprechend weit verbreitet. Durch ihre Nähe zur Polnischen Jazzgesellschaft enthielt fast jede Ausgabe mehrfach das PSJ-Trompeten-Logo. Zusätzlich war es im „Jazz Forum“ üblich, mit Vignetten, Rubrik-Grafiken und lustigen Cartoons zu arbeiten. Fast alle nutzten sie grafische Formen von Trompeten, die abgewandelt und stilisiert wurden. Sogar groteske Titelgrafiken mit witzigen Trompetenumwandlungen gab es. Insofern prägte sich auch unter den DDR-Jazzfreunden die Trompete als grafisches Symbol für modernen Jazz ein.
Das Bewusstsein von der Trompete hinterließ auch in Dresden Spuren – nämlich bei der Entstehung des allerersten Logos der IG Jazz. „Als wir uns sicher waren, dass wir in die Kellergewölbe der Ruine des Kurländer Palais hinein durften“, erinnert sich Frank W. Brauner, der Gründer der IG Jazz Dresden, „zeichnete ich den Namenszug in Kombination mit der Tonnen-Form des Gewölbes auf.“ Brauner weiter: „Die Idee mit der Trompete kam mir wegen der Trompete im Logo der Polnischen Jazzgesellschaft.“ Ins Reine gezeichnet habe das Ganze dann Klaus Burkhard. Das war 1979. „Die ersten, jetzt noch vorhandenen Aufkleber mit unserem damaligen Logo spendeten die Mountain Village Jazzmen aus Hamburg“, erinnert sich Brauner weiter.
(Postkarte des Jazzkellers mit dem Logo der damaligen IG Jazz im Vordergrund links. Im Hintergrund das damals noch aktuelle Logo des Kulturbundes der DDR, zu dem die IG Jazz gehörte. Foto: Archiv Tonne)
Später dann, etwa in der Mitte der achtziger Jahre, erhielt der Dresdner Künstler und Jazzfreund Jürgen Haufe, ohnehin Stammgast bei Konzerten der IG Jazz, den Auftrag, ein neues, frisches, konzentrierter wirkendes Logo unter Verwendung der Idee der gewölbten Tonne zu entwickeln.

(Das erste, meist rot-blau ausgeführte Haufe-Logo für die „Tonne“ wurde ganz überwiegend auf den damaligen DIN-A5-Programmzetteln genutzt.)
Formaler Anlass war wohl ein kleines Jubiläum 1986, der bevorstehende fünfte Jahrestag des Einzuges der IG Jazz in die tonnenförmigen Gewölbekeller unter der Ruine des Kurländer Palais. Aber vor allem auch die Tatsache, dass sich umgangssprachlich der Begriff „Tonne“ eingebürgert hatte, sollte in einem neuen Logo seinen Niederschlag finden.
Haufe nutzte – natürlich! – die Trompete, verband sie zeichnerisch frech und schwungvoll mit dem „O“ des Wortes „Tonne“ und abstrahierte das Gewölbe durch einen einfachen Bogen. Ein kleines, handgepinseltes „Jazz“ wies bis zum Februar 1991 darauf hin, dass die „Tonne“ kein Rock- oder Countryklub war.
Mit dem Jubiläumsprogramm im März 1991 (zehn Jahre IG Jazz im Kellergewölbe des Kurländer Palais“) änderte man den genre-bezogenen, aber wenig aussagekräftigen Begriff „Jazz“ im Logo in den präzisierenden Begriff „Jazzclub“. Damit trugen die „Tonne“-Mitglieder der Tatsache Rechnung, dass sie sich nun nach der Wende als eingetragener Verein unter dem Namen „Jazzclub Tonne“ konstituiert hatten.
(Das zweite Haufe-Logo für die „Tonne“ wurde meist schwarz-weiß auf hellem, einfarbigen Grund gedruckt und überwiegend für die einfach gestalteten Monatsfaltblätter - hier ein Ausschnitt mir der damaligen „Tonne“-Adresse - genutzt.)
Als die „Tonne“ im Frühjahr 1997 ins Dresdner Waldschlösschengelände umzog, wurde der Begriff „Jazzclub“ zugunsten einer besseren grafischen Klarheit völlig weggelassen, das Logo kam nun ohne verbale Erklärungen aus, wirkte so zeichenhafter und schlagkräftiger.
Zwar meinten manche damaligen Umzugsgegner, der Verein sei nach dem Umzug nicht mehr „ihr“ Jazzclub, deswegen fehle nun dieser Begriff zu Recht auch im Logo, aber die eigentliche Ursache für diese Reduktion war eine andere.
Abgesehen von einer grafischen Begründung (ein gutes Logo ist zeichenhaft und reduziert) lieferte Jürgen Haufe schmunzelnd die inhaltliche Erklärung: „Wenn in der Szene des zeitgenössischen Jazz in Europa Tonne gesagt wird, weiß jeder, dass damit dieser ganz spezielle Dresdner Klub gemeint ist. Und wenn jemand in Europas Szene von zeitgenössischem Jazz spricht und dabei nach Dresden fragt, wird zur Antwort immer Tonne kommen. – Wozu also noch verbale Ornamente?“

Dies war – nach der Insolvenz des alten „Tonne“-Vereins im Dezember 2000 – den Gründern des Jazzclubs Neue Tonne Dresden ebenfalls bewusst. Sie ließen das Logo in Zusammenhang mit dem Begriff „Tonne“ beim Deutschen Patent- und Markenamt am 23. Januar 2002 als eigene Wort-Bildmarke eintragen.
Seither steht die freche, von einem Bogen umfasste Trompete, die den Schriftzug „Tonne“ zusammenhält, für „die“ Tonne, für den Dresdner Jazzclub innovativer, zeitgenössischer Jazz- und Improvisationsmusikkonzerte.
Die Einführung eines neuen Logos im November 2010 wird hier diskutiert.
Mathias Bäumel
(Das Tonne-Logo, wie es heute bekannt ist, hier bei einem Konzert der Band Mauger im März 2009. Foto: Matthias Creutziger)
Krakau Mitte der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre – dort lebte der Maler, Plastiker, Grafiker, Dehbuch- und Textautor Wiesław Dymny. Der initiierte noch als Kunststudent 1956 in einem historischen Gemäuer des Stadtzentrums das Kabarett „Piwnicy pod Baranami“ (etwa „Keller unter den Lämmern“). Als eine der zentralen Künstlerfiguren Krakaus war er auch dabei, als ebenfalls 1956 auf der St. Markusstraße 15 der schnell berühmt werdende Jazzklub „Helikon“ gegründet wurde – der erste reguläre in Polen überhaupt.
Dieser Wiesław Dymny schmückte die Wände des „Helikon“ mit fantasievollen, surrealistisch wirkenden Fresken, mit witzigen Pinselzeichnungen. Das Wandbild über dem Türgewölbe zeigte ein imaginiertes Kombinationsinstrument in der Art eines Wolpertingers, das Piano, einen Pianisten und eine dominante, übergroße Helikon-Tuba in sich vereint. (Das Helikon, auch Helikon-Tuba, ist eine Tuba-Bauform, die in Europa sehr häufig das amerikanische Sousaphon ersetzte und somit bei vielen Oldtimejazz-Kapellen des Alten Kontinents zum Einsatz kam.)

(Von Wiesław Dymny selbst aufgenommenes Foto im „Helikon“-Jazzklub, im Hintergrund das surrealistisch wirkende Fresko, vorn Gründer des Klubs. Quelle: diapzon.pl)
Gäste im Klub, der sich schnell von einem Oldtime-Klub zu einem Brennpunkt moderner polnischer Jazzentwicklung mauserte und der bis 1969 existierte, waren unter anderem Krzysztof Komeda, Tomas Stanko, Adam Makowicz, Janusz Stefanski und viele weitere Vertreter des damaligen zeitgenössischen Jazz Polens, auch der Bassist und spätere Jazzpromoter Jan Byrczek.
Erinnerungen, Eindrücke und Verhältnisse an, von und in diesem Jazzklub der ersten Stunde hat erst kürzlich der Publizist Grzegorz Tusiewicz unter dem Titel „Krakowski Jazz-Klub Helikon 1956 - 1969 - Wspomnienia, impresje, relacje“ veröffentlicht. Die Buchtitelgestaltung zeigte ein – allerdings in Richtung Trompete stilisiertes – Helikon ebenfalls von Dymny. Die Metamorphose des Helikons zur Trompete entsprach der Entwicklung im „Helikon“-Klub hin zur Dominanz des zeitgenössischen Jazz, war, wie Beobachter vermuten, vielleicht sogar von der Charismatik des faszinierenden Trompetenspiels des jungen Tomas Stanko im Klub „Helikon“ beeinflusst.
1963 gründete Byrczek, zunehmend Organisator als Bassist, auf der Basis eines bereits vorhandenen Jazzklub-Zusammenschlusses die Polnische Jazzgesellschaft (Polskie Stowarzyszenie Jazzowe - PSJ), die sich schnell zur größten europäischen Jazzorganisation entwickelte.
Das dadurch in rasantem Tempo bekannt werdende PSJ-Logo mit der Trompete schuf, wie Grzegorz Tusiewicz versichert, wiederum Wiesław Dymny.
Im selben Jahr hatte Byrczek das polnische Zweimonatsmagazin „Jazz Forum“ ins Leben gerufen. Für DDR-Jazzfans war diese Zeitschrift – anfangs englisch-, dann für eine gewisse Zeit sogar auch deutschsprachig – die einzige gut erreichbare Jazz-Fachpublikation und entsprechend weit verbreitet. Durch ihre Nähe zur Polnischen Jazzgesellschaft enthielt fast jede Ausgabe mehrfach das PSJ-Trompeten-Logo. Zusätzlich war es im „Jazz Forum“ üblich, mit Vignetten, Rubrik-Grafiken und lustigen Cartoons zu arbeiten. Fast alle nutzten sie grafische Formen von Trompeten, die abgewandelt und stilisiert wurden. Sogar groteske Titelgrafiken mit witzigen Trompetenumwandlungen gab es. Insofern prägte sich auch unter den DDR-Jazzfreunden die Trompete als grafisches Symbol für modernen Jazz ein.Das Bewusstsein von der Trompete hinterließ auch in Dresden Spuren – nämlich bei der Entstehung des allerersten Logos der IG Jazz. „Als wir uns sicher waren, dass wir in die Kellergewölbe der Ruine des Kurländer Palais hinein durften“, erinnert sich Frank W. Brauner, der Gründer der IG Jazz Dresden, „zeichnete ich den Namenszug in Kombination mit der Tonnen-Form des Gewölbes auf.“ Brauner weiter: „Die Idee mit der Trompete kam mir wegen der Trompete im Logo der Polnischen Jazzgesellschaft.“ Ins Reine gezeichnet habe das Ganze dann Klaus Burkhard. Das war 1979. „Die ersten, jetzt noch vorhandenen Aufkleber mit unserem damaligen Logo spendeten die Mountain Village Jazzmen aus Hamburg“, erinnert sich Brauner weiter.
(Postkarte des Jazzkellers mit dem Logo der damaligen IG Jazz im Vordergrund links. Im Hintergrund das damals noch aktuelle Logo des Kulturbundes der DDR, zu dem die IG Jazz gehörte. Foto: Archiv Tonne)Später dann, etwa in der Mitte der achtziger Jahre, erhielt der Dresdner Künstler und Jazzfreund Jürgen Haufe, ohnehin Stammgast bei Konzerten der IG Jazz, den Auftrag, ein neues, frisches, konzentrierter wirkendes Logo unter Verwendung der Idee der gewölbten Tonne zu entwickeln.

(Das erste, meist rot-blau ausgeführte Haufe-Logo für die „Tonne“ wurde ganz überwiegend auf den damaligen DIN-A5-Programmzetteln genutzt.)
Formaler Anlass war wohl ein kleines Jubiläum 1986, der bevorstehende fünfte Jahrestag des Einzuges der IG Jazz in die tonnenförmigen Gewölbekeller unter der Ruine des Kurländer Palais. Aber vor allem auch die Tatsache, dass sich umgangssprachlich der Begriff „Tonne“ eingebürgert hatte, sollte in einem neuen Logo seinen Niederschlag finden.
Haufe nutzte – natürlich! – die Trompete, verband sie zeichnerisch frech und schwungvoll mit dem „O“ des Wortes „Tonne“ und abstrahierte das Gewölbe durch einen einfachen Bogen. Ein kleines, handgepinseltes „Jazz“ wies bis zum Februar 1991 darauf hin, dass die „Tonne“ kein Rock- oder Countryklub war.
Mit dem Jubiläumsprogramm im März 1991 (zehn Jahre IG Jazz im Kellergewölbe des Kurländer Palais“) änderte man den genre-bezogenen, aber wenig aussagekräftigen Begriff „Jazz“ im Logo in den präzisierenden Begriff „Jazzclub“. Damit trugen die „Tonne“-Mitglieder der Tatsache Rechnung, dass sie sich nun nach der Wende als eingetragener Verein unter dem Namen „Jazzclub Tonne“ konstituiert hatten.
Als die „Tonne“ im Frühjahr 1997 ins Dresdner Waldschlösschengelände umzog, wurde der Begriff „Jazzclub“ zugunsten einer besseren grafischen Klarheit völlig weggelassen, das Logo kam nun ohne verbale Erklärungen aus, wirkte so zeichenhafter und schlagkräftiger.
Zwar meinten manche damaligen Umzugsgegner, der Verein sei nach dem Umzug nicht mehr „ihr“ Jazzclub, deswegen fehle nun dieser Begriff zu Recht auch im Logo, aber die eigentliche Ursache für diese Reduktion war eine andere.
Abgesehen von einer grafischen Begründung (ein gutes Logo ist zeichenhaft und reduziert) lieferte Jürgen Haufe schmunzelnd die inhaltliche Erklärung: „Wenn in der Szene des zeitgenössischen Jazz in Europa Tonne gesagt wird, weiß jeder, dass damit dieser ganz spezielle Dresdner Klub gemeint ist. Und wenn jemand in Europas Szene von zeitgenössischem Jazz spricht und dabei nach Dresden fragt, wird zur Antwort immer Tonne kommen. – Wozu also noch verbale Ornamente?“

Dies war – nach der Insolvenz des alten „Tonne“-Vereins im Dezember 2000 – den Gründern des Jazzclubs Neue Tonne Dresden ebenfalls bewusst. Sie ließen das Logo in Zusammenhang mit dem Begriff „Tonne“ beim Deutschen Patent- und Markenamt am 23. Januar 2002 als eigene Wort-Bildmarke eintragen.
Seither steht die freche, von einem Bogen umfasste Trompete, die den Schriftzug „Tonne“ zusammenhält, für „die“ Tonne, für den Dresdner Jazzclub innovativer, zeitgenössischer Jazz- und Improvisationsmusikkonzerte.
Die Einführung eines neuen Logos im November 2010 wird hier diskutiert.
Mathias Bäumel
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