Mittwoch, 21. März 2012

38. Freiberger Jazztage bieten ein attraktives und vielseitiges Programm auch für die Region an

Die Band Kaze gehört zu den Höhepunkten im Programm des Festivals. (Foto: Alex Noclain)

Am 18. April 2012 startet die 38. Ausgabe der Freiberger Jazztage mit einem Konzert der seit 1992 in Deutschland lebenden schwarzen Kult-Sängerin Twana Rhodes. »Jazz muss Spaß machen«, hebt die weltweit erfolgreiche Musikerin hervor; das hat sie sowohl mit ihren zahllosen eigenen Konzerten als auch an der Seite von George Benson und Al Jarreau ganz praktisch bewiesen.

Die Rhodes-Show ist Auftakt für insgesamt neun Konzerte, einen Jazz-Brunch und einem Jazzfilm-Abend mit insgesamt neun Bands bzw. Solokünstlern.

Bemerkenswert, dass die Ausrichter aus der Hochschulstadt – nun schon eine kleine Tradition – auch etwas für das Umland tun. Das Programm »Klassik meets Jazz« der Mittelsächsische Philharmonie wird nicht nur in der Nikolaikirche Freiberg, sondern auch in der Fichteschule Mittweida und im Theater Döbeln aufgeführt.

Auch für Kinder ist diesmal wieder etwas dabei.

Die britische Band Led Bib (vor einem knappen Jahr schon einmal in der Dresdner »Tonne«) gehört zu den »Fackelträgern« der gegenwärtigen Szene. Ihre Klangreferenzen reichen von Metallica und Northern Soul bis zu Ornette Coleman und der New Yorker Downtown-Szene. Dem renommierten Magazin The Wire blieb dazu nur eins zu sagen: »Das ist der Sound einer Band, die Spaß am Spielen hat … die gehen los wie eine glühende Kettensäge durch Butter!« Zusammen mit dem eher kammermusikalischen, dennoch äußerst kraftvoll agierenden Maxime-Bender-Quartett aus Luxemburg ergibt das einen spannungs- und kontrastreichen Auftaktabend am 20. April 2012 im Theater Freiberg.

Das Solo-Konzert der japanischen Pianistin Satoko Fujii am Nachmittag des 21. April 2012 sowie das Abendkonzert desselben Tages mit der Band Atmospheres sowie dem internationalen Quartett Fujiis (gemeinsam mit ihrem Ehemann-Trompeter Natsuki Tamura) – ebenfalls im Theater – dürften zu Höhepunkten zeitgenössischer Jazz-Kunst werden.

Am Nachmittag des 22. April 2012 beschließt ein exotisches, tiefsinniges und ganz besonderes Trio das Festival. In der Petrikirche tritt das Haig-Yazdjian-Trio auf. Oud-Spieler Yazdjian ist Armenier; er wurde in Syrien geboren und lebt seit fast 25 Jahren in Griechenland. Mit seinem Trio fand er einen einzigartigen Weg, um verschiedene musikalische Einflüsse des östlichen Mittelmeerraumes mit kreativen modernen Elementen zu verbinden.

Die ersten Freiberger Jazztage – gemeinsam ausgerichtet vom dortigen Studentenklub und dem Hörfunksender »Stimme der DDR« – fanden 1970 statt. Danach dauerte es bis 1974, als die 2. Freiberger Jazztage, ab nun ohne den Rundfunk veranstaltet, die Bergakademie zum Klingen brachte . . .

Seitdem gab es dieses bis heute deutschlandweit einzige Jazzfestival an einer Hochschule jährlich – mit Ausnahme von 1991, da »in dieser Zeit wohl der kulturelle Tiefpunkt im Osten Deutschlands erreicht war«, wie man auf der Homepage des Festivals noch heute lesen kann. »Der Jazzclub in Freiberg war damals vom Winde verweht und der Studentenclub rang ums Überleben.« Gefahren für die Freiberger Jazztage gab es später noch einmal. Nach der Insolvenz des Studentenclubs im Jahre 2006 sprang aber das Studentenwerk als Träger für die IG Jazz ein und die Organisation des Festivals, das heuer zum 38. Male stattfindet, scheint seither gesichert.

M. B.

Alle Infos zum Programm, zu Tickets und zum Vorverkauf hier.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Das »Tonne«-Logo und die römisch-christliche Rückeroberung der Iberischen Halbinsel


(Maurisches Ornament – TKLDesign)

Zum Thema der Art und Weise der Einführung des nunmehrigen Logos des Dresdner Jazzclubs Tonne ist mir gestern abend folgende Geschichte erzählt worden:


Die einstige Hauptmoschee in Cordoba – al-Dschāmiʿ al-kabīr / Dschāmiʿ Qurṭuba – aus der Epoche des maurischen Spaniens (erbaut von 784 bis 987) zählte zu den prächtigsten und spirituellsten Gebäuden Europas jener Zeit.

Im Zuge der schrittweisen Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch die römische Christenheit vom 8. bis zum 16. Jahrhundert wurden viele Moscheen zu christlichen Kirchen umgebaut.

Nachdem das faszinierende Gebäude der Dschāmiʿ Qurṭuba bereits 1236 zur christlichen Kirche geweiht wurde, begann im Jahre 1523 der entscheidende Umbau von Cordobas glanzvoller ehemaliger Hauptmoschee zur Kathedrale.

Die Umbauten stießen schnell auf den energischen Widerstand des Stadtrates und der Bevölkerung von Córdoba, konnten aber schließlich doch durchgesetzt werden, da der Habsburger Kaiser Karl V. (Karl I. von Spanien) letztlich den Umbau billigte.

Als Karl V. jedoch das Ergebnis sah, soll er seine Umbau-Genehmigung bereut und gesagt haben: »Ihr habt etwas zerstört, was einmalig war, und habt stattdessen etwas hingesetzt, das man vielfach auch andernorts antreffen kann.«

Leider hat Karl V. nach (kirchen)politischen Überlegungen entschieden, anstatt sich von seinem künstlerisch-fachlichen Urteilsvermögen leiten zu lassen. Die Moschee als Ganzes in ihrer einstigen überwältigenden Pracht war unwiederbringlich verloren.

Mathias Bäumel

Mittwoch, 25. Januar 2012

Dresdner Jazzclub Tonne will sein umstrittenes Logo trotz vieler Kritiken beibehalten

Das derzeitige, umstrittene Logo des Dresdner Jazzclubs Tonne bleibt, wie es ist. Auch an eine Überarbeitung des gesamten Corporate Designs des Klubs ist gegenwärtig nicht gedacht. Allenfalls marginale Veränderungen im Rahmen des jetzigen Designs seien möglich. Das geht aus Antworten der Klubleitung auf Anfragen im Vorfeld eines letztlich für den 9. Januar 2012 geplanten Treffens zwischen Logo-Kritikern und »Tonne«-Vorstand hervor.

Dieses Treffen war Mitte April 2011 im Rahmen einer Veröffentlichung der Logo-Kritiken in Aussicht gestellt worden, jedoch ohne konkrete Terminfixierung.

Obwohl knapp ein dreiviertel Jahr später schließlich für den 9. Januar 2012 anberaumt, fand es dann doch nicht statt. Einige der Eingeladenen meldeten sich gar nicht erst an, weil sie wegen der außergewöhnlich langen Wartezeit bis zum Gesprächstermin resignierten und den Eindruck hatten, der Jazzclub spiele ohnehin bloß auf Zeit, andere sagten kurzfristig ab, als die »Tonne«-Leitung knapp zuvor klarstellte, dass es keineswegs um erste Schritte zur Veränderung des gegenwärtigen umstrittenen Logos gehen soll, erst recht nicht um die erhoffte Rückkehr zum Logo von Jürgen Haufe, sondern lediglich darum, »ins Gespräch zu kommen«.

Gesprächsangebote jedoch hatten Kritiker des neuen Logos schon unmittelbar nach dessen Einführung Anfang November 2010 gemacht und sich persönlich oder per E-Mail mit Kritiken, Argumenten (zum Beispiel die hier) und Fragen an die »Tonne« gewandt, liefen damit jedoch »gegen eine Wand«.

Die Einführung dieses Logos Anfang November 2010 hatte damals eine ungewöhnlich große Zahl von kritischen Einschätzungen, in wenigen Fällen sogar wütende Proteste, in einem Fall sogar einen Klubsaustritt nach sich gezogen.

M. B.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Mario Meusel und Christian Schöbel veröffentlichen CD »Wundertüte«

(Die Hüllengestaltung der neuen CD »Wundertüte« (mlm/edel) von Mario Meusel und Christian Schöbel stammt von Kerstin Hübsch.)

Aus Dresden gibt es eine neue, ungewöhnliche, witzige CD – die »Wundertüte« des sonst als »2Hot« bekannten Duos von Mario Meusel und Christian Schöbel. Diesmal (so gut wie) kein Boogie, sondern flüssig intonierte Querschläger, eigene und übernommene, aus der Popmusikgeschichte mit Spaßfaktor 100 Prozent!
Wer mehr darüber erfahren will, sollte »Musik in Dresden« besuchen.

Die Bezugsmöglichkeiten der CD: In allen CD-Läden (Vertrieb edel), bei jpc (dort auch Hörbeispiele), für Dresdner direkt im Sweetwater Record Store oder bei Meusel selbst.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Reiz des Jazz liegt gerade in den Abweichungen vom »Normalen«

Bei improvisierter Jazzmusik liegt der Reiz gerade in den Abweichungen vom Normalen. Zumindest aus neurologisch-psychologischer Sicht ist dies so, wie eine Veröffentlichung im Ärzteblatt verdeutlicht. Der Artikel verweist auf Untersuchungen des Musikers und Psychologen Peter Keller vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.
Ausführlichere Erläuterungen mit Audiobeispielen findet man hier auf der Web Site des Instituts.


M. B.

Freitag, 15. April 2011

Das veränderte Logo des Dresdner Jazzclubs Tonne erzeugte ein vielfältiges Echo

Anfang November 2010 gab sich der Jazzclub Neue Tonne ein anderes Logo, das grafische Elemente der früheren Wort-Bildmarke nutzt.
Anlass dieser Änderung war der zehnte Geburtstag des Dresdner Jazzvereins, der sich zugleich in »Jazzclub Tonne« umbenannte.

Schon in den ersten Tagen der Nutzung des veränderten Logos äußerten sich Besucher von »Tonne«-Konzerten und der »Tonne«-Internetseite mündlich oder per E-Mail kritisch zum veränderten Logo, teils mir gegenüber, teils an den »Tonne«-Vorstand gerichtet. Ich selbst veröffentlichte hier auf Jazz+Sonstiges ebenfalls eine kritische Sicht, die wiederum zu einem Echo unter Dresdens Jazzfreunden führte.

Kritik am veränderten Logo

Nachfolgend veröffentliche ich die mir bekannten und mir im Laufe der Zeit zwischen November 2010 und Januar 2011 per E-Mail zugegangenen Kritiken.

Christian Löser (Löser & Partner Werbeagentur GbR):
»Deine fachlich fundamentierten Argumente gegen das neue Logo kann ich als Grafikdesigner nur bestätigen. Abgesehen von der gestalterischen Fehlleistung ist die Verfahrensweise auch moralisch (rechtlich) verwerflich. Das Urheberrecht erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Insofern könnte der Plagiator zu einer so genannten Unterlassungserklärung aufgefordert werden.«

Jochen Stankowski (Atelier Stankowski – Visuelle Kommunikation):
»Recht haben sie!!!!!!!! Ist ja grausam. ›Verschlimmbessert‹ wird so etwas genannt. ... Aber das Haufezeichen ist sehr gut. «

Frank Ulbrich (Förderer):
»Hier kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen. Was war der Grund, das lebendige und originelle Logo von Jürgen Haufe gegen das sterile, schlecht nachempfundene neue Logo auszutauschen? Für mich ein echter Missgriff. Aber vielleicht lässt sich da noch was ändern?«

Frank Zeiler (Förderer):
»Ich möchte nur mein Befremden über das ›neue‹ Logo ausdrücken, eine völlig nutzlose Aktion bzw. nutzloser Aktionismus, grafisch schwach und vielleicht auch urheberrechtlich nicht korrekt, da man ein geschütztes Logo teilweise verwendet hat, allerdings bös ›verschlimmbessert‹.«

Bert Siegel (art2viz – Kulturmanagement – Onlinemarketing):
»Das ist ja wirklich merkwürdig und marketingmäßig völliger Blödsinn. Wieso macht das die Tonne? Zudem kann das neue Logo dem alten grafisch nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.«

Matthias Creutziger (Musik- und Theaterfotograf):
»Das neue Logo finde ich in keiner Weise gelungen und ist in dieser Form auch kein funktionierendes ›Logo‹. Das ›O‹ als Trompetenöffnung funktioniert so nicht und die Schrift... Naja, was soll das? Auch fehlt der Bogen darüber, der die Tonne symbolisierte. ... Ich jedenfalls würde mich sehr darüber freuen, wenn das alte Logo von einem der wichtigsten Dresdner Grafiker, dem der Club auch sehr viel zu verdanken hat, wieder die Tonne symbolisieren würde.«

Frank Voigt (Künstler):
»Das neue ›Tonne‹-Logo sieht hilflos und dilettantisch aus. Nichts gegen Kinderzeichnungen, aber für ein professionelles Logo sollte man auch einen professionellen Gestalter finden! Zumal das ›alte‹ Zeichen einfach gut ist!«

Manfred Richter (Typograf, Drucker, Geschäftsführer SchumacherGebler):
»Das alte, bisherige Logo von Jürgen Haufe war weder unzeitgemäß noch grafisch unstimmig noch konnte man es nicht mehr sehen. Zwar kann man das Zehnjahresjubiläum des Vereins als Anlass für Veränderungen sehen, aber warum dann ein neues Logo, wenn es schlechter ist als das alte? Kurt Weidemann formulierte treffend:
›In keinem Land werden Symbole, Hymnen, Hoheitszeichen so leichtfertig in Frage gestellt wie bei den Deutschen. Die Darstellung muss sich nicht zwangsläufig ändern, weil sich Strukturen und Technologien geändert haben. Fortschritt, Modernität, Innovation müssen Produkte und Leistungen unter Beweis stellen, nicht ein mit jedem Zeitgeschmack geändertes Zeichen.‹«

Martin Hörenz (Jazzfreund und »Tonne«-Konzertbesucher):
»Liebe Freunde des Jazz, da blieb mir glatt die Spucke weg! Unglaublich unfassbar ist es, dass ihr das Aushängeschild des Jazzclubs, das Logo der Tonne, so verunstaltet habt. Ist denn in Dresden wirklich alles möglich? Ich glaube, nicht nur ich hatte den vom Dresdner Künstler Jürgen Haufe gestalteten Schriftzug so verinnerlicht, dass mir die Veränderung wie ein Schlag ins Gesicht vorkam. Wie war das möglich und wer hat das zu verantworten? ... Der Grafiker Jürgen Haufe, zuletzt Professor an der Dresdner Kunsthochschule, war bis zu seinem Lebensende eng mit dem Jazz und der Dresdner Jazzszene verbunden. In dem von ihm gestalteten Logo steckt seine Energie, seine Seele, sein Herzblut. Unabhängig von der moralischen Frage steht die juristische: ist diese dilettantische ›Verballhornung‹ einfach so, ohne Einbeziehung der Witwe des Künstlers überhaupt statthaft?«

Petra Müller (Professorin Kommunikationsgestaltung an der HTW Dresden und Inhaberin eines international tätigen eigenen Büros):
»Ich sehe das Erscheinungsbild in der Überarbeitung von Tauundtag sehr verändert, sehr unidentisch, sehr schwach in der Aussage, schlicht zu wenig prägnant für das schon eingeprägte Logo. Selbst wenn das Logo von Jürgen Haufe mit dem redundanten Untertitel Jazzclub versehen war, hat es doch etwas vom Bogen des Kellers, von der Bewegtheit der Musik und die Kraft einer Tonne durch die fetten Buchstaben. Auch der Trompete die Öffnung wegzunehmen, zerstört den Signal- und Zeichencharakter der Trompete. Die Typo passt ebenso nicht zusammen, zudem ist sie zu leicht (Jazzclub) und zu kantig (TONNE).«

Darüber hinaus gibt es noch viele mündliche Kritiken am Logo, die jedoch nicht in Schriftform vorliegen.


Analyse der Kritiken


Analysiert man diese Kritiken, lassen sich die Gründe für die Ablehnung des neuen Logos wie folgt zusammenfassen:

Erstens – Kritik unter dem Marketingaspekt:
Gerade weil die »Tonne« die »Tonne« bleiben, also ihr Wesen als innovative Spielstätte des neuen Jazz kontinuierlich beibehalten will, sehen fast alle Kritiker überhaupt keinen marketingbedingten Grund für die Einführung eines neuen Logos, denn ein neues Logo symbolisiert und kommuniziert ja immer eine signifikante Änderung. Die Einführung eines neuen Logos für ein öffentlich bekanntes Unternehmen, das kontinuierlich so wie bisher weiterarbeiten will, schafft Irritationen und erschwert oder zerstört den Prozess der Marken-(Image-)Bildung.

Zweitens – Kritik an der grafischen Qualität:
Alle Kritiker empfinden die grafische Qualität als schlecht. Manche von ihnen begründen ihre Meinung – und zwar auf den Ebenen der Typografie, der Grafik und der Symbolik.
Argumentiert wird nach dem Motto: Wenn schon diese unnötige und marketingmäßig irreführende Einführung eines neuen Logos, dann sollte das neue Logo doch wenigstens grafisch deutlich besser als das vorherige sein. An dieser Stelle entsteht doppelte Enttäuschung: Es wird Geld ausgegeben und Zeit verwendet für etwas Unnötiges, das dann auch noch qualitativ schlecht realisiert wird.

Drittens – Kritik am Vorgehen des »Tonne«-Vorstandes bei der Einführung des neuen Logos:
Die Kritiker halten es für schlechten Stil oder vielleicht sogar für eine mögliche Verletzung des Urheberrechtes, ohne vorherige Nachfrage bei Anne Haufe (der Witwe des Urhebers des bisherigen Logos, Jürgen Haufe) und ohne deren schriftliche Genehmigung signifikante Elemente aus dem Haufe’schen Logo herauszunehmen (die Trompete ist geistiges Eigentum Jürgen Haufes) und in eine andere grafische Umgebung zu transplantieren. Basis dafür ist die Unterscheidung von Urheberrecht und Nutzungsrecht. Letzteres hat für das bisherige Logo die »Tonne«, das Urheberrecht verblieb aber bei Jürgen Haufe bzw. Anne Haufe.

Interpretation

Die relativ große Zahl der Kritiker sollte vor allem als eindrucksvoller Beleg für die Verbundenheit mit der »Tonne« interpretiert werden; wenn irgendein anderer Dresdner Klub sein Logo änderte, würde das wohl kaum jemanden interessieren. Sie zeugt aber auch von der Verbundenheit mit und der Wertschätzung der Arbeit von Jürgen Haufe, dem ersten Ehrenmitglied des alten »Tonne«-Vereins, in dessen Traditionslinie sich der jetzige Verein durch seine Namensänderung ganz betont stellt.

Eine ganze Zeit lang wurden die Kritiken unveröffentlicht gelassen; sie wurden dann Ende Februar 2011 an den »Tonne«-Vorstand übermittelt, verbunden mit dem Angebot, auf Jazz+Sonstiges eine Reaktion auf die Kritiken zu veröffentlichen.

Auffassung des »Tonne-Vorstandes«

Nun nachfolgend also die Auffassung des »Tonne«-Vorstandes zu den Kritiken am veränderten »Tonne«-Logo:

»Es ist für uns nicht überraschend, dass Veränderungen in der Gestaltung des öffentlichen Auftritts der Tonne, sei es die neue Gestaltung des Programmflyers, der Internet-Seite oder eben des Logos, Diskussionen und damit eben auch Kritik auslöst. Wer sich mit seiner Arbeit der Öffentlichkeit stellt, muss damit rechnen. Und wer seit zehn Jahren nicht selten bis an die Grenze der Belastbarkeit an der Erhaltung und Entwicklung der Tonne-Tradition arbeitet, hat gelernt Risiken einzugehen und prinzipiell auch mit eigener Fehlbarkeit zu leben. Wir haben gelernt, immer dann, wenn es uns erforderlich erschien, auf bestimmte Strategien zu beharren oder uns eben auch zu korrigieren. Wir haben aber auch gelernt, dass sich das Leben eines Jazzclubs aus der Binnenperspektive als erheblich komplexer und darum auch fragiler erweist, als es von Außen erscheint, und dass man gut beraten ist, nicht auf jedes Problem aufgeregt zu reagieren.

Was uns also nicht überrascht, ist Kritik. Was uns jedoch überrascht, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit dabei ein über allen Zweifeln erhabener Anspruch auf rechtes Wissen in Sachen Ästhetik, Moral und Recht erhoben wird. Was uns befremdet, ist, mit welcher Kühnheit mitunter auf unsere Motive oder den kollektiven mentalen Zustand des Vorstandes geschlossen wird, und mit welcher Heftigkeit wir von einigen Jazzfreunden angegriffen werden.

Was uns eher wundert, ist, welcher Stellenwert dem Werbeauftritt und den dabei genutzten Medien und Symbolen beigemessen wird, der ja nicht der eigentlicher Inhalt des Tonne-Geschehens ist, sondern auf diesen hinweisen soll. Und dieser Inhalt ist von anerkannt hoher Qualität. Dereinst hoffnungslos herunter gewirtschaftet, spielt die Tonne heute wieder in der nationalen Liga der Jazzclubs. Unsere Anstrengungen sind von daher primär darauf gerichtet, auch weiterhin zu den renommiertesten Clubs Deutschlands zu gehören.

Damit aber soll die Kritik an der Gestaltung des Logos nicht klein geredet werden. Wir werden uns ernsthaft mit jeder sachlichen Kritik auseinandersetzen. Die Würde der Beteiligten verletzende Beschimpfungen sind dabei jedoch alles andere als hilfreich, weil sie in der Regel dazu führen, einen Kommunikationsprozess abzubrechen bzw. gar nicht erst in Gang kommen zu lassen. Sachlich ist eine Kritik, die Argumente vorträgt, die überprüft bzw. diskutiert werden können. In diesem Sinne werden wir nach einer geeigneten Kommunikationsform suchen und gern jene, die in diesem Sinne das Tonne-Leben mitgestalten wollen, zur Diskussion einladen.

Dr. Helmut Gebauer
Vorstandsvorsitzender«

Ausblick

Es darf angenommen werden, dass sich sowohl der »Tonne«-Vorstand, der sich für die Einführung des veränderten Logos engagierte, als auch die Schar der Kritiker sehr mit dem Dresdner Jazz und mit dem Jazzclub Tonne Dresden verbunden fühlen. Deswegen sollten sich beide Gruppierungen nicht jeweils als Gegner sehen. Weiterhin darf wohl davon ausgegangen werden, dass die allermeisten Logo-Disputanten im bisherigen »Tonne«-Logo von Jürgen Haufe sowohl grafisch als auch symbolträchtig eine sehr gute, dem Wesen unserer »Tonne« adäquate Lösung sehen. Und einig dürften sich sicher auch alle darüber sein, dass der Jazzclub Tonne Dresden sein Kerngeschäft, das Veranstalten exzellenter Jazzkonzerte innovativen Charakters, vorbildlich und erfolgreich betreibt; nicht zuletzt wurde die »Tonne« erst kürzlich unter die besten drei Live-Clubs Deutschlands gewählt.

Unterschiedliche Sichtweisen und Erwartungen gibt es lediglich bei der Frage nach dem Stellenwert von Grafikdesign und insbesondere Logo. Für manche zählen diese Aspekte lediglich zum »Werbeauftritt«, der auf das Eigentliche hinweisen soll, für andere sind sie Teil des Eigentlichen, dem weithin Sichtbarmachen hoher eigener künstlerischer Ansprüche sowie dem Anbieten von Alternativen gegen kulturelle Anspruchslosigkeit.


Mathias Bäumel

Freitag, 11. März 2011

Dresdner Jazzclub Tonne könnte »Club des Jahres 2010« von Deutschland werden

(Konzert in der Tonne mit der Band Mauger – Gerry Hemingway, Mark Dressder, Rudresh Mahanthappa – im März 2009. Foto: Matthias Creutziger)

Freude unter Dresdens Jazzfreunden! Der Jazzclub Tonne in Dresden ist für den Deutschen Live Entertainment Preis PRG LEA in der Kategorie »Club des Jahres« nominiert.

»Unsere Freude über die Nominierung möchten wir gern mit unserem Publikum teilen und spendieren deshalb zum Konzert der TIPTONS am kommenden Sonnabend (12.3.2011) ein Fass Freibier«, strahlt Tonne-Geschäftsführer Steffen Wilde.

Die Kategorie »Club des Jahres« erhält ein besonderes Gewicht durch die Kooperation des LEA mit der Initiative Musik, der Fördereinrichtung der Bundesregierung für die Musikwirtschaft in Deutschland: Der Gewinner des Spielstättenpreises erhält 20.000 Euro, die beiden weiteren Nominierten erhalten jeweils 5.000 Euro.

Neben dem Jazzclub Tonne e.V. sind der Jazzclub A-Trane in Berlin und der Jazzclub Hannover e. V. nominiert. Das wurde am 10. März 2011 bekanntgegeben. »Mit den beiden anderen Klubs befinden wir uns in höchst ehrenvoller Gesellschaft, in der wir uns wohl fühlen und die uns zusätzlich stolz macht«, betont Wilde.

Die Bekanntgabe des Gewinners und die Preisverleihung finden am 5. April 2011 im Rahmen der offiziellen Eröffnungsveranstaltung der Weltleitmessen Musikmesse und Prolight + Sound in der Festhalle in Frankfurt am Main statt.

Mit dem LEA werden seit 2006 herausragende Leistungen der Veranstaltungswirtschaft im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet. Initiator der Preisverleihung war der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft. Mitveranstalter sind der Verband deutscher Konzertdirektionen e.V. und das Branchenmagazin Musikmarkt.

M. B.

Kontakt Jazzclub Tonne e.V.: Steffen Wilde, Königstraße 15, 01097 Dresden, Telefon (0351) 80 260 17, Fax (0351) 80 260 18, E-Mail steffen.wilde@jazzclubtonne.de