Montag, 16. Februar 2009

John Wolf Brennan: Familiäre Spuren aus halb Europa bündeln sich in seiner Biografie

Der Musiker John Wolf Brennan, auch sportlich-alpinistisch fit, auf dem Großen Mythen, Schwyz. (Foto: Rolf Bösch)

John Wolf Brennan, Pianist und Komponist, ist seit etwa drei Jahrzehnten auf der europäischen und weltweiten Jazzszene aktiv. Martin Kunzler schreibt in seinem Jazzlexikon (rororo): „In ständigem kreativem Balanceakt zwischen Improvisation und Komposition hat Brennan einen eigenständigen europäischen Beitrag geschaffen.“

Das typisch „Europäische“ in Brennans Musik hat sicher auch damit zu tun, dass in John Wolf Brennans Biografie Spuren und Einflüsse verschiedener europäischer Kulturen in seltener Weise zusammenlaufen.

John Wolf Brennan wurde 1954 in Dublin in eine Musikerfamilie geboren. Seine Mutter Una Brennan war eine professionelle, klassische Sängerin, sein Vater Hans Wolf ein begnadeter Amateurpianist.

John Wolf Brennans Urgroßvater väterlicherseits, Carl Wolf-Fischer, wurde 1863 im sächsischen Jöhstadt an der tschechischen Grenze geboren. Sein Bruder hatte einen großen Fleischerladen im böhmisch-sudetendeutschen Karlsbad, und dort sind bis heute Verwandte nachgewiesen. Carl emigrierte zuerst nach Frankreich, dann nach einem Abstecher in die USA in die Schweiz, wo er in Sils im Engadin im Hotel Edelweiss sich vom Küchenbursche bis zum Hoteldirektor emporarbeitete. Von der Hotel-Küche aus sah er täglich den Piz Albana, und weil er sich ausrechnete, dass dies a) ein schöner Name und b) der Buchstabe im damaligen Telefonverzeichnis als erster aufscheinen würde, hat er die „Villa Köhler“, ein Hotel in Weggis, in „Albana“ umgetauft, nachdem er es 1896 übernehmen konnte.

Dessen Sohn Karl Wolf (1897-1952) und sein Enkel Hans-Peter Wolf (1923-1986) – der Vater John Wolf Brennans – haben es dann weitergeführt, und Johns Bruder Peter Wolf (nicht zu verwechseln mit dem Sänger der J.Geils Band oder dem Keyboarder von Frank Zappa) führt den Betrieb seit 1990 nun in vierter Generation.

In der Verwandtschaft John Wolf Brennans gibt es nach Deutschland noch weitere und sogar nach Schweden musikalische Brücken: Der Pianist, Komponist und Liedbegleiter Karl-Ulrich Wolf (1921–1957), der mit 36 Jahren früh verstorbene Onkel John Wolf Brennans, war designierter Direktor des Konservatoriums Stockholm, vorher längere Zeit in Stuttgart tätig, und, laut Hörfunkbeiträgen aus der damaligen Zeit, einer der ersten „westlichen Musiker“, die in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone Konzerttourneen unternahmen. Wahrscheinlich ist, dass er ab 1947 auch in Dresden und Leipzig konzertierte.

John Wolf Brennan lebt mit seiner Frau Béatrice, einer Pianistin, und ihren drei Töchtern in einem neuen Haus in Weggis. Die Familie ist weitläufig mit dem Clan jener Brennans verwandt, zu der die berühmte Esoterik-Pop-Diva Enya gehört. John und Béatrice haben sogar eine ihrer drei Töchter nach Enya benannt – er könne zwar nichts mit dem „Weichspülersound“ von seiner entfernten Verwandten Enya anfangen, aber als Mensch „ist sie ein Original“, so John.

Was man sicher für John auch annehmen darf – nur kommt bei ihm seine vielfältige, intensive und ideenreiche Musik dazu, die – so könnte man meinen – halb Europa zum Klingen bringt.

Überzeugen kann man sich davon in der näheren Zukunft zum Festival JAZZWELTEN 2009 in Dresden – dort spielt John gemeinsam mit Arkady Shilkloper am Glockenspielpavillon des Dresdner Zwingers eine Weltpremiere und er tritt mit seiner Band Pago Libre auf.
John feierte am 13. Februar 2009 seinen 55. Geburtstag. Dafür hat er sich zusammen mit seiner Familie für eine Woche in die Berge zurückgezogen.
Fast alles über John Wolf Brennan hier.